Stille Nacht – Heilige Nacht

Datum: 26.12.2025
Mittagsposition: 09°52,6‘N; 077°45,6’W
Etmal: 134 sm
Wetter: Lufttemperatur: 29 °C, Wassertemperatur: 27 °C, Windrichtung und Stärke: NE 5

Der Heilige Abend ist schon vorbei, aber dennoch spürt man: Es ist Weihnachten.
Das Hauptdeck ist noch im karibischen Style weihnachtlich eingedeckt, Palmen zieren das Deckshaus und Lichterketten beleuchten die Rettungsringe. Auch noch zwei Weihnachtsbäume, die das Hauptdeck und das Achterdeck beleuchten, sind mit von der Partie. Heute ist der 25.12. und wir befinden uns mit unserer heißgeliebten „Nussschale“ mitten auf dem Karibischen Ozean, irgendwo weit vor der Küste Kolumbiens.

Um 14:00 Uhr liegt die Messe still vor mir. Niemand ist da – auf dem gesamten Schiff hört man einfach nichts, denn vor wenigen Minuten hat die „Stille Stunde“ begonnen. Die „Stille Stunde“ ist etwas ganz Besonderes: Sie gleicht einem Solo, aber wir sind nicht allein auf dem Schiff. Stattdessen schweigen wir alle eine Stunde. Ein Solo ist ein Konzept, welches in einem bestimmten Zeitrahmen stattfindet und bei dem wir, auf uns selbst gestellt, unseren Gedanken freien Lauf lassen können. Das letzte Solo fand bei unserer Kleingruppenexpedition auf Dominica statt und es wird wahrscheinlich noch eines auf den San-Blas Inseln geben. Doch bei der „Stillen Stunde“ ist die Stimmung auf jeden Fall gleich und nach der (wie immer) stressigen Vorweihnachtszeit war diese Auszeit sehr angenehm, um einfach mal zur Ruhe zu kommen. Während dieser Zeit öffne ich meinen Adventskalender, den ich seit dem 10. Dezember vergessen habe. Dort überraschen mich Nachrichten von meinen Verwandten, Freunden und Eltern, die mich zu Tränen rühren. Besonders berührt mich die Nachricht meines besten Freundes, der zwei Monate vor meinem Auslaufen aus Kiel in sein Auslandsjahr nach Irland gegangen ist und den ich nun seit fast fünf Monaten nicht mehr gesehen habe und ihn auch noch drei Monate nicht sehen werde.

Dann ist die Stunde, die (wie alles an dieser Reise) viel zu schnell vergeht, auch schon vorbei und die Backschaft klingelt zu Kaffee und Kuchen. Oben auf dem Hauptdeck angekommen, schaue ich mit verschwommenem Blick in viele andere gerötete Augen und ein allgemeines Schniefen geht in unserer Runde umher. Bis zum Abendessen haben wir Freizeit, die wie Einsamkeit und Ruhe auf diesem Schiff zu kurz kommt. In dieser Zeit sitze ich mit Conni und Lukas in der Bibliothek und nähe neue Boxershorts, da uns durch das derzeitige Waschverbot langsam die Unterwäsche ausgeht. Nach dem Abendessen, bei dem es nochmal die äußerst leckeren Reste des Weihnachtsessens gibt, heitert uns Hannah mit einem kulturellen Beitrag über die Besonderheiten und Unterschiede von Weihnachten auf der Thor auf. Dominik singt mit uns drei weihnachtliche Shantys, die wir natürlich aus voller Kehle mitsingen.

Heute, 26.12., beginnt der Tag für mich um sieben Uhr. Ich werde geweckt mit den Worten: „Es ist sieben Uhr, du hast heute Unterricht“. Das sind die Worte, die man natürlich jeden Morgen am liebsten hören will, vor allem wenn man an einem Wachtag bis neun Uhr hätte schlafen können. Ich setze mich trotzdem für neun Stunden in den Unterricht, der aus vielen interessanten Fächern (wie Geschichte, Deutsch, Geo, Chemie, Englisch, Mathe, Bio und Spanisch) besteht. Nachdem wir in Spanisch gelernt haben, wie wir uns als Tagesprojektleitung in Panama richtig verständigen können und wie wir Rechnungen ordnungsgemäß aufschreiben lassen, ist es auch schon Zeit für das Abendessen. Am zweiten Weihnachtsfeiertag gibt es Thunfisch mit Reis und frischem Salat (zubereitet von unserem Kapitän Detlef höchstpersönlich) und für die Vegetarier gibt es Rote Beete-Patties. Es wird auch noch die, zumindest für mich, freudige Botschaft überbracht, dass wir nur noch halbe Wachen gehen müssen. Dies bedeutet, dass wir eineinhalb Stunden mehr Schlaf bekommen, der uns sowieso nur mangelhaft vorliegt.

Vor dem außerplanmäßig stattfindenden Filmabend hat unsere Wache eins noch ein Wachtreffen in der Bibliothek, bei der alle ihre Bedürfnisse teilen können und noch ein paar Spiele spielen. Nach „Fluch der Karibik 2“ und meiner Wache falle ich (wie immer) todmüde in meine (wie immer) nicht aufgeräumte Koje und schließe die Augen nach einem (wie immer) zu vollem und zu langem Tag.
Dieses Weihnachten war eines der schönsten Weihnachtsfeste, denn wann feiert man sonst mit so vielen Freunden dieses tolle Fest zusammen?

KUS-Ticker

Donnerstag, 25.12.2025

  • 10:00 Uhr: Referat „Verschmutzung der Meere“ von Inga
  • 14:00 Uhr: Stille Stunde
  • 19:30 Uhr: Andacht

Freitag, 26.12.2025

  • 20:00 Uhr: Film „Fluch der Karibik 2“