Nur ein Jahr

Datum: 30.12.2025
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Heute ist der 30. Dezember, das Jahr 2025 geht zu Ende. Dieses Jahr, das so stark geprägt war von KUS. Angefangen im vergangenen Januar mit der Bewerbung bis hin zur Zusage vor einigen Monaten.

Ein Jahr.
Ein Jahr ist es her, dass wir uns beworben haben. Für KUS, ein Projekt, das für uns alle noch so fern und ungreifbar war. Vielleicht hat man mal ein paar Blogartikel gelesen oder die Serie angeschaut, aber wie viel würden wir alle geben, um selbst Teil davon zu sein; Teil dieser so unfassbaren Gemeinschaft, der Reise in ferne Länder und Kulturen, der Überquerung des Atlantiks auf der Thor Heyerdahl und Teil von so vielem mehr.
Ich reiße mich von meinen Gedanken los und rufe Justus an, mit dem ich schon seit mehreren Jahren auf dieselbe Schule gehe und befreundet bin. Wir beide haben unsere Bewerbung bereits abgeschickt und sprechen darüber, wie toll es wäre, dabei zu sein; wie toll es wäre, zusammen dabei zu sein. Ich teile meinen großen Traum, bei einer der Schiffsübergaben Steuermann zu sein. Dass ich ca. 11 Monate später auf eben diesem Posten mit der Thor in der Karibik einlaufen würde, das wagte ich mir nicht mal vorzustellen.

An einem ganz normalen Schultag fahre ich nach Hause, stelle mein Fahrrad in den Hof und öffne wie jeden Tag den Briefkasten. Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg. Nein, das kann nicht sein. Voller Aufregung sprinte ich mein Treppenhaus hoch, öffne die Wohnungstür, werfe den Rucksack in mein Zimmer und reiße den Brief auf: „Wir freuen uns, dir mitteilen zu dürfen, dass du zum Probetörn für KUS 25/26 eingeladen bist.“ Ich gucke in die Luft, dann auf den Brief und wieder in die Luft. So ein großer Schritt weiter in Richtung des großen Traums.

Einen weiteren Monat später stehen Justus und ich am Gleis in Würzburg und warten auf den ICE, in dem wir gleich zum ersten Mal die ganzen Jugendlichen sehen, mit denen wir potenziell einmal das größte Abenteuer unseres Lebens teilen werden. Der Zug fährt ein und die Türen öffnen sich. Es folgen unfassbar viele Eindrücke, neue Gesichter und Gespräche. Ich versuche mir alle Namen einzuprägen, was überraschend schnell gelingt. Super, dann kann ja gar nichts mehr schief gehen… Es folgt eine ganz besondere Woche voller Hochs und Tiefs, eine Expi voller Erlebnisse und einem unvergesslichen letzten Abend.
In den nächsten Tagen erzähle ich all meinen Nächsten von dieser Woche und denke viel darüber nach, wie es wäre, so eine Zeit 28 Wochen lang zu durchleben, und zwar noch viel intensiver.

Weitere 2 Monate später sehe ich in unserer Signalgruppe vom Probetörn „Kaoten unter Segeln“ die ersten Nachrichten: „Der Brief ist da, ich bin dabeiii.“ oder auch „Hey Leute, ich bin leider nicht dabei, gute Reise euch…“ Voller Spannung gehe ich runter in den Hof, öffne den Briefkasten und… nichts. Da ist keine Zusage, aber auch keine Absage. Am nächsten Tag kann ich im Unterricht an nichts anderes denken als an den Moment, an dem ich den Briefkasten öffne und dort meine Absage vorfinde. Trotz der langen und intensiven Auseinandersetzung mit jedem möglichen Szenario bin ich unglaublich aufgeregt, als ich nach der Schule vor meinem Briefkasten stehe. Was haben die anderen erzählt? Die Absage ist in einem kleinen Briefumschlag verpackt und die Zusage ist ein dicker DINA4-Umschlag. Ich schaue durch den Briefschlitz und sehe oben nichts. Wäre es eine Zusage, müsste sie im Briefkasten doch bis nach oben reichen. Aber da ist nichts. Der Traum ist geplatzt. Ich öffne den Briefkasten, um die restliche Post mit hochzunehmen und sehe unten im Briefkasten auf dem Boden zusammengeklappt einen braunen DINA4-Umschlag. Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg. Ich nehme den Umschlag in die Hand. Da steht tatsächlich mein Name drauf. Ich lege den Brief zurück und muss mich erstmal auf den Briefkasten stützen. Ich kann es gar nicht fassen. In meinen Kopf schießen so viele Bilder und Szenarien und gleichzeitig ist da einfach ein großes Nichts. Ich stehe einfach da. 30 Sekunden, 1 Minute, 3 Minuten, nur auf meinen Briefkasten gestützt und mit fassungslosem Blick an die Hauswand. Nach 5 Minuten fühle ich mich wieder bereit, umher zu gehen. Ich spaziere einfach durch meinen Hof und versuche dabei irgendwie meine Gedanken zu ordnen. Das gelingt mir eher mäßig. Ich nehme den Brief wieder in die Hand und öffne den Umschlag. „Lieber Leo, wir freuen uns sehr, dir mitteilen zu dürfen, dass du zum Haupttörn 2025/2026 von Klassenzimmer unter Segeln eingeladen bist.“ Ich bin dabei.

Und jetzt sitze ich hier auf der Thor – ein Jahr, nachdem das alles begonnen hat, ein halbes Jahr nach diesem unfassbaren Moment der Zusage, 3 Monate nach dem Auslaufen. Jetzt sind wir hier in der Karibik, mittendrin in diesem damals so ungreifbaren Traum. Wir sind tatsächlich Teil davon; Teil dieser so unfassbaren Gemeinschaft, der Reise in ferne Länder und Kulturen, der Überquerung des Atlantiks auf der Thor Heyerdahl und Teil von so vielem mehr.

KUS-Ticker

Montag, 29.12.2025

  • 07:00 Uhr: Verholen nach „Cayos Holandes“
  • 10:00 Uhr: Vorträge „Landeskunde & Geschichte Panamas“ von Alander & Lili Sol

Dienstag, 30.12.2025

  • 09:30 Uhr: Referate „Korallenriff & Coral Bleaching & El Nino“ von Lotte und Rosalie
  • 17:00 Uhr: Abfahrt und Übernachten auf der „Gefegten Insel“