Tour de Cuba
Dum, dum, dum, dum, dum, dum (Melodie der Tagesschau) – Heute im Studio das Tagestau der Thor Heyerdahl.
Aktuelles: die „Tour de Cuba“ der 34 KUSis. Völlig abgerackert ziehen sie durch die Nacht, eine Gruppe, die das Unmögliche möglich macht. Eine etwas andere Art der „Tour de France“. Im Mittelpunkt steht die Gruppe, das gemeinsame Meistern der vier Etappen, mit dem großen Ziel, unverletzt und stolz ihre Fahrräder übergeben zu können. Wir schalten direkt zu unseren Reporterinnen Rudi (Ruth) und Leonie, die vor Ort bei der „Tour de Cuba“ sind. Doch davor geben wir Ihnen noch zwei Fragen mit: „Wie beschreibt ihr eure etwas andere Art der „Tour de France“ in drei Worten und wie verlief die Tour im Einzelnen?“ In drei Worten – das ist gar nicht so leicht – auf jeden Fall löchrig, einzigartig uuuund mit Poschmerzen verbunden.
Das Startsignal, die Hupe unseres Busfahrers Isbel, ertönte. Total unkoordiniert, als ein Pulk und sehr langsam holperten wir mit unseren Drahteseln über den löchrigen, sandigen Asphalt. An der Küste von María La Gorda entlang, ganz im Südwesten der Provinz Pinar del Río, fuhren wir in Richtung Sandino, etwa 70 km weiter nordöstlich als María La Gorda. Die ersten Kilometer sind schnell runter gespult, doch bis zur Mittagspause, mit leckeren Sandwiches, hielten wir viele Boxenstopps ein, da nach einer viermonatigen Betriebspause das ein oder andere Teil an den Fahrrädern wackelte. Mit neuer Energie startete unser Team und entwickelte von Kilometer zu Kilometer immer mehr eine Art Taktik, wie wir dieses Rennen gemeinsam meistern würden. Die Sonne verschwand langsam hinter dem Horizont, doch die „Tour de Cuba“ zog weiter dahin. In Zweierreihen fuhren wir durch die Straßen, vorneweg fuhr die Polizei mit ihren Motorrädern und das Schlusslicht bildete unser Mannschaftsbus. Es war dunkel und von Abbiegung zu Abbiegung wurde die Straße löchriger, doch unsere Taschenlampen wiesen uns den Weg bis zum Hotel. Wir erspähten die Ziellinie der ersten Etappe anhand der vielen Leute, die uns herzlich und filmend am Hotel in Empfang nahmen. Später erfuhren wir, dass es unter anderem auch das kubanische Fernsehen war, das uns filmte.
Mit wenig Erholung standen wir am nächsten Morgen wieder da, dieses Mal lag die längste Etappe mit 90 Kilometern vor uns. Auf die Straße fokussiert, sahen wir im Augenwinkel die Häuser an uns vorbeiziehen, doch die winkenden, uns anlächelnden Kubaner/-innen nahmen wir sehr deutlich wahr. Anblicke, die uns rührten und schöne Begegnungen, die jedoch nur für Sekunden waren. Auf halber Strecke konnten wir unsere knurrenden Mägen stillen. Die typischen Peso-Pizzen, von denen selbst die letzten Jahrgänge berichteten, stillten den Hunger und zauberten, in die teilweise leicht erschöpfen Gesichter, ein Lächeln. Weiter ging es auf die weitere Hälfte. In der Ferne erschienen langsam Hochhäuser, dann war die Ziellinie der heutigen Etappe auch nicht mehr all zu weit. Angekommen in Pinar del Río, sperrte die Polizei jede Querstraße nur für uns, sodass die „Tour de Cuba“ ungestört durch die Straßen bis zum Hotel pesen konnte.
Als wir durch die Ziellinie fuhren, hatten wir zugleich die Hälfte der Tour geschafft. Verrückt, wie schnell die Zeit verging, doch auch auf dieser Strecke galt weiterhin das Motto: „Wir fahren gemeinsam an unser Ziel.“
Die Tour in Richtung Viñales startete. Die ersten 15 Kilometer vergingen wie im Flug, danach hieß es: Zähne zusammenbeißen und durch. Es ging schließlich den Berg hinauf. Mit einer Durchschnittsgeschwindigkeit mit 9,5 Kilometern pro Stunde schlängelten wir uns die Serpentinen hoch. Oben angekommen, legten wir einen klitzekleinen Stopp ein, um die Autos, die wir aufgehalten hatten, vorbeiziehen zu lassen. Doch anstatt, dass sie genervt hupten, lächelten sie uns fröhlich an und winkten uns zu. Diese Lebensfreude der Einheimischen begleitete uns auf der gesamten „Tour de Cuba“. „Linkskurve!“, „Rechtskurve!“, „Warschau Löcher!“ und „Abstand!“ riefen wir durch die Reihen. So legten wir uns in die Kurven und schlichen den Berg hinab.
In den Tagen bis zur letzten Etappe erlebten wir einen bunten Alltag (ein Besuch auf der Tabakplantage, ein Salsa-Tanzkurs, eine Wanderung in eine Höhle).
Mit vielen Eindrücken im Gepäck starteten wir in die vierte und damit letzte Etappe der „Tour de Cuba“. Als gäbe es kein anderes Leben, traten wir in die Pedale, um den Berg zu erklimmen. 30 Kilometer lang den Berg hinauf und wieder hinab, bis zur endgültigen Ziellinie – die Federico-Engels-Schule. Unser Motto „Gemeinsam und sicher ans Ziel!“ ist vollbracht. Mit einem Lächeln auf den Lippen übergaben wir die Fahrräder an die Schülerinnen und Schüler und verabschiedeten uns von den Jugendlichen, die in so kurzer Zeit einen Platz in unserem Herzen gewannen.
Und jetzt zurück ins Studio. Zum Schluss das Wetter: Hier auf Kuba wird das Wetter wie die letzten Tage bleiben – freundlich bei Höchstwerten von 26 bis 28 Grad und Tiefstwerten in der Nacht von ungefähr 12 Grad. Die starke Abkühlung in den Nächten ist noch spürbar. Diese kalte Temperatur wurde zu dieser Zeit noch nie gemessen.
