Unser Interview mit Aleida Guevara
Am 11.02. bekamen wir die einmalige Gelegenheit Aleida Guevara, die Tochter des argentinischen Arztes Ernesto „Che“ Guevara, der eine entscheidende Rolle in der kubanischen Revolution von 1959 spielte, zu interviewen. Also sind wir, wie an den Tagen zuvor, zu Isbel und Lala (unser Busfahrer und unsere kubanische Reiseleiterin) in den Bus gestiegen und zum Hauptsitz des „ICAP“ (Völkerverständigungsinstitut von Kuba) gefahren. Dort gingen wir alle erwartungsvoll los. Doch vor Ort erfuhren wir, dass das Interview doch an einem anderen Ort stattfinden sollte. Also stiegen wir noch einmal in den Bus und fuhren zum Sitz von „Amistur“, was die staatliche Reiseorganisation ist und der auch unsere Reiseleiterin Lala angehört. Wie schon bei den anderen Interviews, die wir auf dieser Reise führten, versammelten wir uns um den Konferenztisch, welcher im Raum aufgestellt war, und das Filmprojekt hat das Tonaufnahmegerät und mehrere Kameras gestartet.
Zur Verwunderung aller kam dann aber nicht Aleida Guevara, sondern der Europa-Abteilungsleiter des ICAP, welcher uns in sehr schnellem Spanisch von seiner Arbeit, der Funktion und Organisation des Völkerverständigungsinstituts, sowie den Beziehungen zu den europäischen Ländern erzählte. Zu den einzelnen Regierungen hat er kaum Kontakt, dafür aber zu verschiedenen pro-kubanischen oder sozialistischen Organisationen in Europa, von welchen viele auch aus Deutschland kommen.
Während unserer Zeit in Kuba, vor allem während unserer Fahrradtour durch die Provinz „Pinar del Río“, waren auch wir Gäste des ICAP. Otto (auch ein Mitarbeiter des ICAP) hat für uns viel organisiert und einzigartige Einblicke in Bereiche, die normale Touristen gar nicht erleben können, ermöglicht. Die meiste Zeit war er oder einer seiner Kollegen oder Kolleginnen auch bei unserer Reise durch Kuba dabei. Danach wurden uns in dem Interview noch ein paar Fragen zu diesem Thema und auch allgemeinere Fragen zum Sozialismus, dem US-Embargo und der aktuellen Lage in Kuba beantwortet.
Nach insgesamt 50 Minuten musste der Angestellte auch schon wieder weiter zu anderen Terminen und endlich kam Aleida Guevara. Vor unserem Interview wussten wir über sie nur, dass sie eines von mehreren Kindern aus Che Guevaras zweiter Ehe ist und hauptberuflich als Kinderärztin arbeitet. Außerdem hat sie eine Führungsposition beim ICAP und vertritt regelmäßig die Regierungspartei Kubas (die einzige Partei, die es in Kuba gibt) und die Familie Guevara in der Öffentlichkeit.
Schon im Voraus hatte sich das Projekt „Öffentlichkeitsarbeit“ mehrere Fragen bezüglich der politischen, wirtschaftlichen, sozialen und medizinischen Lage überlegt. Diese wurden nach und nach gestellt, sodass wir einen spannenden Einblick in die aktuelle Lage Kubas bekamen. Im Verlauf des Interviews wurde auch klar, dass sie den Kommunismus sehr befürwortet. Allerdings zeigt sie auch Verständnis für Jugendliche, welche aus Kuba auswandern wollen oder das System nicht so sehr unterstützen.
Das Interview war wie ein einfaches Gespräch. Aleida erzählte sehr viel aus ihrer Kindheit und aus ihrem Leben. Auch berichtete sie von Ernesto, von seinen Charaktereigenschaften und von ihrer Verbindung zu Fidel und Raul Castro. Nach dem Interview, welches ungefähr eine Stunde andauerte, erhielten wir überraschenderweise noch ein Geschenk von „Amistur“, sowie weitere Geschenke für unsere Geburtstagskinder.
Anschließend ließen wir den Tag mit einem Besuch des lokalen Marktes ausklingen.
Die Interviews gaben uns tiefe Einblicke in Kubas politische und wirtschaftliche Lage, die wir so nie bekommen hätten. Es ist für uns auch ein Privileg, dass wir diese Interviews führen durften.
