Architektur und Oldtimer
Havanna – eine Stadt wie ein offenes Buch.
Nach einer Viertelstunde in der Altstadt findet man sich in einer Welt, die vertraut und doch völlig anders ist, wieder. Was wirklich fasziniert, sind die Autos. Die amerikanischen Fahrzeuge aus den Vierzigern und Fünfzigern sieht man überall. Sie rumpeln durch enge Gassen und stehen an jeder Ecke. Manche sind so bunt lackiert, dass sie in der Gesamtheit wie ein Regenbogen wirken. Und doch sind sie mehr als Museumsstücke, sie sind Alltag. Ein alter Mann in zerrissener Hose schraubt am Motor seines Pontiacs mit einem Schraubenzieher, um ihn zu reparieren. Hier heißt es oft: Wir Kubaner finden immer eine Lösung. Nach dem Embargo konnten jahrelang keine Neuwagen oder Teile importiert werden. Also wurde erfinderisch gedacht. So kamen Motoren aus sowjetischen Ladas in amerikanische Oldtimer. Diese Autos sind Beweise dafür, wie ein ganzes Land mit wenig klarkommt und trotzdem weiterkämpft.
La Habana Vieja – die Altstadt.
Wenn man durch die Gassen schlendert, wird schnell klar: Hier wurde nichts einfach plattgemacht und neu aufgebaut. Die alten Häuser stehen noch. Viele wurden liebevoll restauriert, andere Häuser bröckeln ein wenig. Genau das macht den Charme aus. An der Plaza Vieja sitzen alte Männer auf Bänken und quatschen. Kinder spielen zwischen den Stühlen fangen. Überall hängt Wäsche aus den Fenstern. Aus offenen Türen schallen Salsa- oder Rumba-Rhythmen. Die Architektur ist nicht nur Kulisse für Touristen, sie ist das Zuhause für Tausende. Der Staat hat stark investiert, um das historische Zentrum zu erhalten. Das merkt man. Aber es wirkt nicht wie ein steriles Museum. Es lebt. Am Abend sitzt man dann am Kapitol, der bedeutendsten Sehenswürdigkeit und dem Regierungssitz der kubanischen Volksversammlung. Die Sonne senkt sich, und hinter einem leuchten die pastellfarbenen Fassaden der Altstadt. Vor einem Haus lachen junge Kubaner, reden oder fragen: ¿De dónde eres? Ein alter Chevrolet fährt langsam vorbei, der Fahrer winkt. Und in dem Moment wird klar: Havanna ist nicht perfekt. Vieles wirkt alt, manches kaputt. Aber die Menschen hier machen das Beste daraus. Sie halten zusammen, helfen einander, lachen viel. Vielleicht steckt darin eine Art Reichtum, der an anderen Orten manchmal verloren geht. Que viva Cuba! Hasta la victoria siempre!
