In Havanna Mäuschen spielen

Hola, ich bin die Maus José und ich lebe mit meiner Mäusefamilie im Hotel Azul in Havanna.
Am Dienstag habe ich beobachtet, wie eine große Gruppe Jugendlicher mit riesigen Rucksäcken aus einem schicken Bus stieg und hier eincheckte. Ich war so neugierig, dass ich mich am nächsten Tag im Rucksack einer Schülerin versteckte, um zu sehen, was die hier vorhaben.

Beim „ICAP“, das ist wohl ein Völkerverständigungsinstitut, haben sich die Jugendlichen in einen Konferenzraum gesetzt und sich mit einem Mitarbeiter unterhalten. Ich wollte gerade nach etwas Essbarem suchen, als plötzlich Aleida Guevara, die Tochter von Che, in den Raum kam. Sie wurde mit Fragen von den Jugendlichen überhäuft und beantwortete diese mit Freude. Auch spezielle Nachfragen bezüglich ihrer Kindheit mit Che und Fidel Castro beantwortete sie gerne. Am Nachmittag haben sich die Jugendlichen in kleineren Gruppen das Viertel mit einem großen Markt angeschaut. Ich saß staunend auf der Schulter der Schülerin und schaute mir das Gewusel der vielen Menschen an. Zu Fuß liefen die Gruppen am Abend wieder zurück zum Hotel und ich kletterte schnell aus dem Rucksack. Abends beobachtete ich, wie sie in der Bar gegenüber Pizza aßen und die Musik genossen.

Am nächsten Morgen stiegen sie schon wieder ganz früh in den Bus und ich war wieder dabei. Wir fuhren nach Cojimar, wo ein Denkmal von Ernest Hemingway steht. Ein Junge (Simon) hielt dort ein Referat über diesen bekannten Mann.
Danach besichtigten wir das Haus, in dem Hemingway vor vielen Jahren gelebt hat. Das Haus war auf einem Berg, deshalb konnte man über ganz Havanna blicken. In einem Turm neben dem Haus traf ich ein paar andere Mäuse, die mir von 57 Katzen erzählten, die früher hier gelebt haben. Als wir uns das ganze Anwesen angeschaut hatten, ging es wieder zurück zum Hotel und alle aßen etwas, um ihren Hunger zu stillen. Nach dem Mittagessen saßen alle auf der Terrasse und haben auf einmal angefangen ganz wild zu singen und zu klatschen. Als dann ein Kuchen kam, verstand ich, dass Marie, das ist wohl die Lehrerin, Geburtstag hatte.

Nach dieser kleinen Feier ging es wieder los auf einen Ausflug. Alle liefen im gleichen weißen T-Shirt los und standen irgendwann vor einem großen Gebäude, welches eine Deutschlandflagge auf dem Dach hatte. Alle redeten darüber, dass das die deutsche Botschaft sei und sie dort gleich einen Vortrag hören würden. Also gingen alle durch eine Sicherheitsschleuse und ich verkroch mich ganz tief im Rucksack, damit mich keiner entdeckte.
Wir saßen in einem großen und schicken Konferenzraum. Uns wurde ganz viel erzählt und die Jugendlichen konnten Fragen stellen. Jetzt weiß ich viel über Botschaften auf der ganzen Welt und insbesondere über Kuba.
Als wir fertig waren, war schon Zeit für das Abendessen und wir fuhren mit dem Bus in ein Restaurant. Da gab es sehr leckeres Essen. Auch ich aß dort ein bisschen von dem Käse, der einem Schüler heruntergefallen war. Am Abend war ich sehr müde von dem langen Tag und den vielen neuen Informationen, aber ich musste noch schnell meiner Mäusefamilie von meinen Erlebnissen erzählen.

Heute sind alle Jugendlichen nach einer kleinen Altstadtführung in Kleingruppen durch Havanna gelaufen und haben sich die Stadt angeschaut. Auch meine Geschwister sind heute mitgekommen, sodass in jeder Gruppe jemand aus meiner Familie dabei war.
Vorhin beim Abendbrot haben sie dann alle ganz viel erzählt. Die einen waren in einem Restaurant, wo live kubanische Musik gespielt wurde. Eine andere Gruppe hat sich staunend die Bilder der Straßenkünstler/-innen angeschaut. Nicht nur eines wanderte nach einer kurzen Preisverhandlung in die Rucksäcke. Nachmittags mussten ich und meine Geschwister uns dann schweren Herzens von den netten Jugendlichen verabschieden, da sie wieder zurück auf ihr Schiff fuhren. Der Besuch war eine der tollsten Erfahrungen in meinem Leben und ich werde mich immer an diese 34 lustigen und lauten Menschen erinnern.