Kuba rollt, tritt, rattert und reitet
Lautes Geklingel der Fahrräder ertönte um uns herum und unsere Fahrradkolonne setzte sich langsam in Bewegung. Nach einigen Kilometern allein auf der Straße in der Bucht von María la Gorda bogen wir auf die mehrbefahrene Hauptstraße nach Sandino ab. Unsere Radtour durch Kuba führte uns nach Pinar del Río. Unsere Reise durch Kuba endete aber endgültig in Havanna, wo wir mit dem Bus anreisten.
Das Erste, was wir wahrnahmen, waren die vielen Pferdewägen, die uns begegneten. Manche waren groß und hatten vier Räder, die anderen Wägen waren klein und hatten zwei Räder. Sie waren immer schnell unterwegs, ob voll beladen oder leer. So würden sie in Deutschland definitiv nicht zugelassen werden. Pferde sind insgesamt ein bedeutendes Fortbewegungsmittel für die Kubaner/-innen. An keinem Straßenrand gab es nicht mindestens alle 100 Meter ein angebundenes Pferd, das gerade auf die Wiederkehr seines Reiters wartete. Vor allem im Viñales Tal begegneten wir vielen Reitern oder den Kutschen. Die kleinen Wägen aus Holz und mit beschlagenen Holzrädern, mit denen sie unbeeindruckt über Schlaglöcher und Kanten in den Straßen bretterten, wurden jedoch auch nicht selten von Ochsen gezogen. Diese liefen mit gleichmäßigen, schweren Schritten deutlich gemütlicher die holprigen Wege entlang.
Ohne ziehende Beine, dafür mit zwei, drei oder vier Rädern: Autos, Tuktuks und Mopeds. Abgesehen von den vielen Tuktuks, war das Straßenbild fast vergleichbar mit dem aus Deutschland. Einen großen Unterschied gab es jedoch: die Art und Vielfalt der Autos. Es bereitete uns jedes Mal eine große Freude, wenn die verschiedenen Jahrgänge an Chevrolets, Pontiacs, Fords oder Ladas an uns vorbeifuhren. Manchmal war sogar ein VW-Käfer oder ein Fiat 500 dabei. Daneben fanden sich dann viele moderne Autos (unter anderem viele Hyundais). Die Fotobegeisterten unter uns gingen jedenfalls häufig auf Oldtimer-Jagd und haben, dank der großen Vielfalt, nun eine beachtliche Sammlung an Modellen vorzuweisen.
Nicht nur für uns haben Fahrräder eine große Rolle während des Landaufenthaltes gespielt. Auch für die lokale Bevölkerung sind sie neben den Autos, Pferdewägen, Mopeds, Tuktuks und Reittieren essenziell. Oft kamen uns auf unserer Radtour, bei der wir 220km zurücklegten, andere Radfahrer mit deutlich mehr Gepäck entgegen. Wie die Pferdewägen machten auch sie oft nicht den luxuriösesten Eindruck, waren dafür aber umso stabiler und robuster. So waren sie perfekt für die kubanischen Straßen. Meistens hatten wir wirklich gute Voraussetzungen und konnten sehr entspannt radeln. Zwischendurch ertönten dann Rufe wie „Schlaglöcher an Backbord!“, und „Warschau ruppig!“, wenn die Holprigkeit zunahm.
Teilweise sind so auch unsere Räder an ihre Grenzen gestoßen und die ein oder anderen Fahrradbestandteile haben sich verabschiedet, Sättel haben sich verselbstständigt oder es kam zu einem drastischen Druckverlust in diversen Reifen.
In Havanna angekommen, konnten wir deutlich mehr hochpolierte Oldtimer sehen. Diese waren dann aber in 99% der Fälle die touristischen Taxen und in knallpink, lila, türkis oder kirschrot gehalten. Manche von uns betitelten sie sogar als geschmacklos. Weniger Charme als die in dunklen, schlichten Farben gehaltenen Oldtimer auf dem Land hatten sie allemal. Diese Autos waren auf jeden Fall prägend für das kubanische Bild. Jedoch waren sie auf dem Land deutlich authentischer, wenn sie leicht zerdellt und mit sich teilweise ablösendem Lack an den Tabakplantagen entlang in den karibischen Sonnenuntergang fuhren.
