„Ewiger Ruhm unserem Commandante“
Kuba.
Eine Nation, die von zwei gewissen Revolutionären so stark verändert wurde, dass sie noch heute als Helden, Idole und Symbolfiguren im ganzen Land verehrt werden. Die Rede ist natürlich vom argentinischen Mediziner und Guerilla-Kämpfer Ernesto „Che“ Guevara und dem Rebellenanführer und langjährigen Staatsoberhaupt Fidel Castro.
Erste Anzeichen für deren unglaubliches Erbe finden wir zu Beginn unserer Reise bei einer Peso-Pizza-Pause in einer kleinen Stadt auf dem Weg nach Pinar del Río. Dort entdecken wir an einem hölzernen Telefonmast ein einfaches Karton-Schild mit der Aufschrift „Gloria eterna a nuestro commandante“ und auf der Weiterfahrt erspähen wir, neben diversen ähnlichen Schildern, außerdem in einem der Häuser ein riesiges Wandbild von Che.
Das alles wird allerdings wenig später von unserem Besuch der Friedrich-Engels-Schule komplett in den Schatten gestellt, wo uns Fidel schon direkt am Eingang mit erhobenem Zeigefinger erwartet. Überdies bekommen wir kurz darauf eine Führung durch den eigens für ihn eingerichteten Museumsraum, wo wir sein gesamtes Leben, inklusive seines Besuchs dieser Schule, in Form von riesigen Bannern fotografisch dokumentiert finden.
Die Meinungen über den studierten Juristen gehen im Übrigen zwischen den Generationen teilweise stark auseinander. Während einer der Geschichtslehrer den „Commandante“ im Interview quasi vergöttert, beschreibt ihn eine der Schülerinnen vorsichtig mit einem Harry-Potter-Zitat über den dunklen Lord: „Schließlich hat er Großartiges getan – Schreckliches, ja, aber Großartiges.“
Mit der Schule lassen wir dann auch Fidel zurück, welcher interessanterweise vor allem in staatlichen Gebäuden anzutreffen ist, und begegnen stattdessen plötzlich überall dem weltbekannten stilisierten Portrait von Che. Zunächst treffen wir auf Che auf einer imposanten, roten Holztafel an der Straße ins Viñales-Tal. Hier steht der Satz: „Der Satz lehrt, das Beispiel führt“, was sich sehr wahrscheinlich auf Ches Lebenswerk bezieht, den von Marx und Engels „gelehrten“ Sozialismus und Kommunismus als revolutionäres „Beispiel“ weltweit zu verwirklichen.
In Viñales-Stadt und vor allem später in Havanna entdecken wir Che dann auf T-Shirts, Tassen, Domino-Schachteln, Zigarren-Etuis, Kühlschrankmagneten, Postkarten und auf dem, was man sonst noch alles in den unzähligen Souvenir-Läden findet. Die wohl bekannteste Abbildung können wir dann anschließend in Havanna an einer Hauswand am „Plaza de la Revolucíon“ direkt neben dem Abbild von Camilo Cienfuegos, einem weiteren Mitstreiter Fidels, begutachten. Dies führt uns auch schon zum Fazit unserer Beobachtungen, denn neben den beiden „Hauptfiguren der Revolution“ findet man überall in Kuba diverse weitere Persönlichkeiten, die mit Statuen und mehr geehrt werden. Allerdings kommen weder José Martí, noch Simón Bolivár oder Marx und Engels auch nur ansatzweise an die Berühmtheit und Allgegenwärtigkeit von Che und Fidel heran. Während Fidel, wie bereits erwähnt, vor allem von der Regierung als mächtiger Anführer inszeniert wird, erfährt Che vor allem durch die einfache Bevölkerung eine Romantisierung als heldenhafter, ewig junger Märtyrer des Sozialismus. Und so bilden Che und Fidel ein heroisches Duo, auf dem ein Großteil der modernen kubanischen Kultur fußt. Diese extreme Fokussierung bringt sowohl Vor- als auch Nachteile mit sich, aber feststeht, dass dadurch beide Figuren als international umstrittene Berühmtheiten in die Geschichte eingegangen sind.
