„Patria es humanidad“ (Vaterland ist Menschlichkeit)

„Das Vaterland ist Menschlichkeit“, so steht es auf Postern, großen Bannern und an Straßenlaternen. Menschlichkeit, als zentralen Wert des sozialistischen Systems, sehen wir viel auch hier in Havanna.
Wir durften in den letzten Wochen in dieses Land eintauchen, dieses Land erleben und probieren, dieses Land zu verstehen. Dabei spielt natürlich die Prägung Kubas durch den Sozialismus eine ganz besondere Rolle. Und wir waren sehr gespannt, wie sich der Sozialismus erleben lässt, wie präsent er ist, bzw. wie er von der kubanischen Bevölkerung gelebt wird. In diesem Blogbeitrag werden wir unsere Erfahrungen teilen und dem geschuldet nicht auf die konkrete Umsetzung bzw. Auslegung der sozialistischen Idee und des Staates heutzutage eingehen. Wir als Touristen haben uns gar keinen Eindruck verschaffen können, inwiefern es welche Repressionen durch den Staat gibt. Auch einschätzen zu können, wie diktatorisch der Führungsstil ist, möchten wir uns nicht anmaßen. Das, worauf unser Bericht beruht, ist die pure Erfahrung, die Begegnung mit diesem Land in Form von unzähligen Gesprächen, dem was wir gesehen und gespürt haben.

Ganz unvoreingenommen haben wir natürlich nicht dieses Land betreten. Durch unseren Unterricht und die Vorbereitung auf diesen Landaufenthalt hatten wir gelernt, wann die Revolution zum Sozialismus war, welchen BIP dieses Land hat oder in was für einer Krise Kuba aktuell ist. Trotzdem haben wir mit der Einstellung „Hier geht es allen fast gleich“ dieses Land betreten. Auf dem Dorf mag das noch stimmen. Am ersten und zweiten Tag der Radtour haben wir viele einfache, aber ähnliche Behausungen gesehen. Die meisten leben, so ist zumindest unser Eindruck, von der Landwirtschaft, und halten einige Tiere. Die Kinder besuchen kleine Schulen, die es in jedem Ort gibt, und die älteren Menschen werden von der eigenen Familie versorgt. Doch gerade in der Umgebung Havannas und in Pinar del Río hat sich dieser Eindruck nicht immer bestätigt. Diejenigen, die das Glück haben, dass ihnen Verwandte in den USA oder Europa Geld und Luxusgüter schicken, besitzen teure iPhones, stabilere Häuser und schicke Autos. Besonders hat uns gewundert, dass wir als Ausländer immer schickere Zimmer, ein besseres Essen, einen großen Bus und andere Besonderheiten gestellt bekommen haben, die den Einheimischen nicht zur Verfügung stehen. Uns ist oft aufgefallen, dass der Staat viele seiner Ziele nur unzureichend verwirklichen kann. Er kann weder eine große Bandbreite an Medikamenten, Hygienematerialien oder Geräten noch moderne Schulgebäude oder eine ausgewogene Vielfalt an Lebensmitteln zur Verfügung stellen. Inwieweit das am US-Handelsembargo oder an wirtschaftlichen Fehlentscheidungen in der Vergangenheit liegt, können wir nicht differenziert beurteilen. Fakt ist aber: Geld oder Rohstoffe für staatliche Aufgaben sind nur spärlich da. Trotzdem haben wir das Land als unglaublich menschlich wahrgenommen.

Die Ärztin bei uns im Camp hat sich größte Mühe gegeben, die Erkrankten von uns zu versorgen, obwohl ihr nicht mal ein Fieberthermometer zur Verfügung stand. Die Schülerinnen und Schüler in der Schule haben ein ehrliches Interesse gezeigt, uns kennenzulernen, auch wenn es zwischen ihrem und unserem Lebensstandard große Unterschiede gibt. Und die Menschen, die wir auf der Wanderung und auf der Radtour getroffen haben, waren auf Anhieb freundlich und zeigten Interesse, ein Gespräch zu beginnen. Der Geschichtslehrer, mit dem wir in der Friedrich-Engels-Schule sprechen durften, hat das kubanische Volk eine „Industrie der Menschlichkeit, auch wenn es sonst sehr wenig gibt“ genannt, und diese Position können wir nach unserem Aufenthalt gut nachvollziehen. Insgesamt fassen die Worte von einem Kubaner, der uns bei unserem Landaufenthalt begleitet hat, ganz gut zusammen, welche Stimmung wir wahrnehmen konnten und was die Einstellung vieler Kubanerinnen und Kubaner ist: „Die USA können uns unsere Verbündeten nehmen. Sie können uns von der gesamten Welt separieren, aber sie können uns nicht die Liebe und unseren Zusammenhalt nehmen!“

Que viva Cuba!