Ohne mich geht hier gar nichts
Huch? Schon wieder kurz vor sechs? Von jetzt auf gleich werde ich aus meinen Träumen gerissen, als mich ein hektischer Zeigefinger mehrfach antippt und ich sogleich – zuverlässig wie ich bin – mein Programm anzeige.
Jetzt bleibt mir nur noch ein kurzer Moment, bis Leben in die gerade noch so stille Kombüse kommt. Ich überlege, welche leckeren Köstlichkeiten heute wohl wieder in mir und um mich herum zubereitet werden, und merke, wie es mit einem Mal hell wird, denn das Licht in der Kombüse geht an. Jetzt geht es für mich wirklich los und ich bin, im Gegensatz zur Backschaft, einer Gruppe aus vier Crewmitgliedern, hellwach. Bereits für die Frühstücksvorbereitung werde ich gebraucht und ein Zeigefinger tippt energisch auf mir herum, um mir die Anweisung zu geben, dass ich warmlaufen soll. Ha, wenn die wüssten, dass ich immer ratzfatz auf Betriebstemperatur bin!
Schwupp, schon schiebt eine aus der fleißigen Backschaft die Bagels, die aufgebacken werden sollen, in mein Inneres. Nun bin ich gefragt: Selbstständig entscheide ich mich, wie rösch und knusprig die einzelnen Ringe aufgebacken werden sollen. Ich gebe mein Bestes und finde, dass sie zum Anbeißen aussehen. Hmmm! Hätte ich selbst einen Mund und einen Magen, würde ich glatt hineinbeißen, doch das Essen überlasse ich dann doch lieber der Crew.
In der Kombüse herrscht jetzt reges Treiben. Die Anfangsmüdigkeit, die es jeden Morgen gibt, ist längst überwunden und alle erledigen ihre Aufgaben, genau wie ich, damit es später ein leckeres Thor-Frühstück geben kann. Von Tag zu Tag werden die Backschaften schneller mit dem Herrichten des Frühstücks. Gleich ist es auch so weit: Ich klingle, um zu signalisieren, dass die Bagels fertig sind und in die Brotkörbe verteilt werden können.
Geschafft. Während des Frühstücks habe ich eine kurze Verschnauf- und Abkühlpause, bevor es direkt danach mit den Mittagessensvorbereitungen weitergeht. Aus einem gut gegangenen Hefeteig soll Zupfbrot gezaubert werden. Kein Problem für mich. Mit großer Begeisterung bin ich bereit, das Brot goldbraun zu backen und den Käse dazwischen zum Schmelzen zu bringen. Langweilig ist mir dabei nicht, denn aus den Lautsprechern in der Kombüse tönt Musik, die gesamte Backschaft singt laut mit, die Stimmung ist großartig. Es freut mich immer, wenn ich sehen kann, dass die Gruppe sehr gut miteinander interagieren kann und motiviert ist. Genauso ist es heute.
Die Zeit vergeht wie im Flug, immer wieder werde ich – mal durch eine sanfte Berührung mal durch ein nervös-energisches Drücken – angeschaltet, um für das Mittagessen etwas zu garen, zu überbacken oder zu erwärmen. In meinen kurzen Pausen spitze ich die Ohren und lausche den Gesprächen in der Kombüse. Ich weiß, dass sie mich liebevoll „Conny“ nennen und bin stolz darauf, denn es kann sicher nicht jeder Konvektomat von sich behaupten, einen Namen zu haben. Wenn ich ab und an aufschnappe, wie dankbar die Backschaft für mein zuverlässiges Arbeiten ist und welche Erleichterung ich für sie bin, dann hüpft mein Herz vor Glück.
Nun ist es Zeit für das Mittagessen. Hier ist die Backschaft besonders gefragt, den Überblick zu bewahren und zu schauen, dass alles da ist und von allem genug.
Keine Atempause, denn meine eigentliche Mittagspause, die Zeit, in der der Generator aus ist, fällt heute ins Wasser, weil ich für den Kaffee gebraucht werde. Ein mehrfaches energisches Drücken auf dem Display, dann ist das richtige Programm eingestellt: Backen. „Reiß dich zusammen“, denke ich mir und weiter: „Gib alles, Conny!“ So leckere Cookies, im Grunde schon der verheißungsvolle Duft, den ich im Vorfeld durch meine Tür entweichen lasse, zaubert allen ein Lächeln ins Gesicht. Dafür lohnt sich die Anstrengung. Perfekt, die Backschaft klart im Gegenzug die Kombüse auf und spült ab, als wüsste sie, dass ich es gerne sauber und ordentlich um mich herumhabe. Der Geruch von Schokolade liegt jetzt in der Luft und es dauert nicht mehr lange, bis die Klingel zum Kaffee läutet.
Tadaaa. Die Cookies sind fertig und an den Bulleyes stehen die einzelnen Jugendlichen und Stammis hintereinander aufgereiht. Ihnen läuft das Wasser im Mund zusammen. Sie warten sehnsüchtig darauf, zwei leckere, warme Cookies zu bekommen. Ach, allein für diesen Anblick hat es sich gelohnt, dass ich mich wieder einmal voll ins Zeug gelegt habe.
Wer glaubt, dass ich mich jetzt ausruhen könnte, irrt sich. Das Ende des Kaffees geht quasi nahtlos in die Vorbereitungen für das Abendessen über. Wieder herrscht hektische Betriebsamkeit. Gemüse wird geschnitten, Zwiebeln werden angedünstet und die einzelnen Zutaten für das gegrillte Gemüse bereitgestellt. Sehe ich das richtig? Ich habe nichts zu tun für heute Abend? Nein, leider nicht. Zum gegrillten Gemüse muss es ja noch etwas dazu geben. Heute gibt es eine Nudel-Gemüse-Pfanne. Für das Kochen der Nudeln bin ich nicht verantwortlich, doch zum Warmhalten des Gemüses schon – eine Kleinigkeit für mich.
Draußen läutet gerade die Klingel zum Einläuten der stillen Minute, während ich mir die Freude nicht nehmen lassen kann, genau jetzt zu klingeln, um erneut zu signalisieren, dass ich fertig bin. Es wird losgelacht, wie so oft, wenn ich genau in der stillen Minute fertig werde.
Einer nach dem anderen holt sich seine Portion, die ersten trudeln für einen Nachschlag ein und ich bin froh, dass sich mein Arbeitstag nun dem Ende zuneigt. Davor steht allerdings noch die Küchenparty an, bei der ich als stiller Beobachter dabei zusehe, wie abgespült, abgetrocknet, geputzt und eingetuppert wird. Jetzt kommt mein Wohlfühlmoment: Bei laut aufgedrehter Musik zum Mitsingen und Abgehen werde ich, mal sanft und mal mit mehr Nachdruck, nach allen Regeln der Kunst, gesäubert. Währenddessen beobachte ich das geschäftige Umhergewusele in der Kombüse, das mit dem Schrubben des Bodens, der Abnahme durch ein Stammmitglied und dem freudigen Abklatschen der Backschaft endet. Licht aus. Ruhe. Beim Einschlafen denke ich einmal mehr: Wie schön, der Tag ist geschafft und ich darf mich erholen, bis morgen.
KUS-Ticker
Donnerstag, 26.02.2026
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Freitag, 27.02.2026
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