„Land, Land außer Sicht!“

Datum: 01.03.2026
Mittagsposition: 33°53,5‘N; 062°58,9’W
Etmal: 138 sm
Wetter: Lufttemperatur: 21 °C, Wassertemperatur: 19 °C, Windrichtung und Stärke: SSW4-5

„Aufstehen, der letzte Tag auf dem amerikanischen Kontinent beginnt! “

Eigentlich dachte ich, dass wir hier an Land ohne die normalen Nachtwachen wieder etwas mehr Schlaf bekommen würden. Aber es gibt ja auch noch die Hafenwachen, die zwar nur 1,5 Stunden lang sind, wegen denen man jedoch nicht wie bei den Wachen an Bord später aufstehen kann. Zusätzlich passiert an Land auch immer viel mehr und die meisten KUSis lernen abends (bzw. nachts) auch noch für die Tests, schreiben Tagebuch oder reden einfach noch ein bisschen.

Wie meistens beginnt der Tag mit einem Reinschiff, dieses Mal mit einem großen, bei dem wir nicht nur putzen, sondern das Schiff auch auf das Auslaufen vorbereiten: Tische müssen abgebaut und die Kammern sowie der Rest des Schiffes seeklar gemacht werden.
Während der Zeit, die noch bis zum Ankommen des Lotsen übrig ist, dürfen wir einen letzten Spaziergang im Ort St. George’s machen. Leider kann man hier seinen Vorrat an Süßigkeiten nicht so gut auffüllen wie anderswo, denn allgemein ist alles hier sehr teuer. Trotzdem sind wir alle froh, uns nochmal die Beine vertreten zu können, bevor sich unsere Laufwege für die nächsten 14 Tage voraussichtlich auf 50 Meter beschränken werden.

Pünktlich nach dem Mittagessen klingelt es um 13:15 Uhr zum „Signal K“ und es heißt: „Leinen los!“ Die letzten KUSis, die Bermuda verlassen, sind die Leinengängerinnen Lotte, Alma und Lili Sol. Langsam fahren wir durch die schmale Hafeneinfahrt hinaus auf das offene Meer. Zum letzten Mal sehen wir das türkisgrüne Wasser und die felsige Küste. Doch auch diese verschwinden bald. Wir setzen Vollzeug und schalten dann die Maschine aus. Der Abschied von Bermuda geht schnell, doch für mich ist es viel mehr: ein Abschied von dem amerikanischen Kontinent. Ich werde etwas traurig, wenn ich daran denke, dass dieser Teil unserer Reise nun vorbei ist. Die Zeit auf der anderen Seite des Atlantiks war das, worauf ich mich am meisten gefreut habe. Jetzt weiß ich, warum und ich kann sagen, dass ich mich zurecht gefreut hatte. Aber nicht nur diese Zeit war besonders; ohne den Weg dorthin hätte so viel gefehlt. Deswegen glaube ich auch, dass der Rückweg ebenso einmalig und beeindruckend wird. Natürlich wird es auch seglerisch besonders spannend, denn der Nordatlantik ist ein stürmisches Gebiet. Ich bin zudem gespannt, wie sich unsere Gemeinschaft noch entwickeln wird, denn die letzten Monate haben gezeigt, was für ein gutes Team wir schon geworden sind. Nun werden wir uns durch die neuen Herausforderungen wahrscheinlich nochmals auf eine andere Weise kennenlernen.

Während in meiner Wache die Sonne untergeht, Fenja und Tobi auf der Gitarre spielen und wir friedlich in Richtung Nordost segeln, steigt die Vorfreude auf die kommende Etappe. Und dann erfahre ich, dass der Filmabend, welcher normalerweise fest zu unseren Samstagabenden gehört, heute trotz Auslaufen stattfinden kann. Zufrieden gehe ich nach diesem ereignisreichen Tag ins Bett.
Nachts um 01:30 Uhr werde ich geweckt und steige dicht vermummt aufs Achterdeck. Nebel begrüßt mich – und Kälte. Irgendwann beginnt es auch noch zu blitzen. Eigentlich ist es gerade jetzt sehr wichtig, gut Ausguck zu gehen, aber wenn ich in den grauen Horizont gucke, fange ich an, müde zu werden. Zack! Da kommt ein Blitz, um mich aufzuwecken. Ich bin froh, nach dem Ende der Wache ins Bett zu gehen und bis 09:00 Uhr am nächsten Tag auszuschlafen.

Nach dem Frühstück und dem täglichen Putzen haben wir eine Stunde Freizeit, die ich in Schlaf investiere. Kurz nach dem Mittagessen, was jetzt wieder die warme Mahlzeit am Tag ist, fahren wir mit einem „Signal K“ eine Halse und danach übernimmt meine Wache. Kurz nach Kaffee und Kuchen wird der Wind deutlich stärker und der Regen, der bis jetzt nur kalt war, weht uns jetzt peitschend entgegen. Der Wind wird noch stärker und die Gefahr besteht, dass aufgrund des großen Hebels, den die Segel ganz oben haben, im Rigg etwas kaputt gehen könnte oder wir die Kontrolle verlieren. Wir benutzen zum ersten Mal den so genannten “Squall Drill“. Dies ist ein extra für diese Etappe eingeführtes Zeichen, bei dem alle, die Zeit haben, an Deck kommen sollen, um bei dem nötigen Segel-Manöver zu helfen: Es ist ein langes, mehrere Sekunden andauerndes Klingeln mit der Schiffsglocke. Doch noch während alle an Deck kommen, wird der Wind schon weniger und wir können die Segel stehen lassen. Eine gute Übung für den Ernstfall. Dieses Mal haben sich noch viele Leute gefunden und sie waren schnell an Deck, aber wie wird das wohl nachts sein?
In der Zeit bis zum Abendessen trifft sich unsere Wache nochmal und wir besprechen, was wir für Erwartungen und Wünsche an die kommende Etappe und an uns selbst haben.
Die nächsten Tage erwarten wir, dass der Wind dreht und stärker wird.

KUS-Ticker

Samstag, 28.02.2026

  • 08:00 Uhr: Großreinschiff
  • 11:00 Uhr: Landgang
  • 13:15 Uhr: Auslaufen
  • 20:15 Uhr: Filmabend

Sonntag, 01.03.2026

  • 13:00 Uhr: Halse