Tests der Sonderklasse
Datum: 10.03.2026
Mittagsposition: 38°57,9‘N; 041°38,1’W
Etmal: 163 sm
Wetter: Lufttemperatur: 17,5 °C, Wassertemperatur: 18,5 °C, Windrichtung und Stärke: SW 2-3
Es ist 07:15 Uhr. Ich werde geweckt. Der Tag beginnt wie jeder andere: Ich stehe auf, putze meine Zähne und gehe zum Frühstück in die Messe. Und doch ist es irgendwie anders als sonst. In der Bibliothek sitzen schon jetzt Menschen, die sich eifrig Notizen machen und die Hefteinträge der letzten Unterrichtsstunden durchschauen. „So einen Lerneifer bin ich hier gar nicht gewohnt“, denke ich mir noch. Beim Betreten der Messe begegnen mir mindestens fünf Leute, die mich fragen, ob und wenn ja, wie ich mich auf den bevorstehenden Mathetest vorbereitet habe.
Und da habe ich mich wieder erinnert: „Stimmt. Wir schreiben heute ja Mathe. Na ja… gelernt habe ich ja.“
Die Tests auf der Thor sind eine der vielen Dinge, die auf Außenstehende doch etwas seltsam wirken mögen.
Teilweise jedoch ist es wie an der heimischen Schule. Circa ein bis zwei Wochen vor dem Test wird uns die Themenauswahl gegeben. Diese variiert je nach Lehrkraft von „Nur der Stoff der letzten fünf Stunden“ über „Es kommt alles ab dem Datum X dran“ bis zu „Lernt einfach alles, was wir bis jetzt behandelt haben“.
Auch das Lernen erfolgt ähnlich wie zuhause. Ein paar vergraben sich regelrecht in ihren Unterlagen, viele lernen ein wenig und ein paar verzichten ganz auf die Vorbereitung. Es gibt mehrere Sichtweisen bezüglich der Tests, der Noten und des Unterrichts an Bord, da bei den meisten die Noten, die wir hier bekommen, nicht von ihrer Heimatschule anerkannt werden. Jedoch ist der Gestaltung des Unterrichts und auch der sozialen Bindung zu unseren Lehrkräften zu verdanken, dass fast immer jede/-r von uns bei der Sache ist.
Das Schreiben der Tests an sich ist wohl das, was für andere am kuriosesten wirkt. Wir sitzen 45 Minuten in der Messe beziehungsweise an Deck (je nach Wetter), sind still und schreiben vor uns hin. Doch die Stille hält meist nicht lange an. Schon nach kurzer Zeit werden wir von der Schiffsklingel, dem Startvorgang der Hauptmaschine oder dem Ruf von jemandem, der an Deck gerade ein Manöver anleitet, unterbrochen. Daher ist es oft schwierig, in den Tests einen halbwegs klaren Gedanken zu fassen. Auch ist es nicht gerade selten, dass unsere Aufsicht plötzlich mit einer Kamera dasteht und filmt, wie wir den Test schreiben, weil das Video-Projekt darum gebeten hat. Da bleibt es auch nicht aus, dass die ein oder andere Arbeit nicht ganz so gut ausfällt.
Jedoch ist auch das kein Weltuntergang. Im Fall des Mathetests zum Beispiel wurden im darauffolgenden Großreinschiff alle Sorgen und Befürchtungen aus der Seele geputzt. Und auch die Kekse beim Besanschot an schmecken danach umso besser.
Die meisten KUSis vergessen die Tests nach dem Schreiben recht schnell, da die Lehrkräfte, den Umständen entsprechend, relativ lange für das Korrigieren brauchen. Allerdings benötigen sie gar nicht so viel Zeit, wie wir oft denken. Es fühlt sich nur so an, da wir sie jeden Tag 24/7 sehen.
Dafür ist die Freude, genauso wie die Nervosität, wenn die Tests korrigiert herausgegeben werden, dann noch größer.
Meiner Meinung nach kann man durchaus sagen, dass die Tests auf der Thor durchaus etwas Besonderes sind. Jedoch sind nicht die Tests an sich das Außergewöhnliche, sondern die Umgebung, in der wir schreiben, und unsere Lehrkräfte selbst.
KUS-Ticker
Montag, 09.03.2026
- 10:10 Uhr: Mathematiktest für Gruppe B
- 11:00 Uhr: Mathematiktest für Gruppe A
- 15:15 Uhr: Besanschot an
- 17:15 Uhr: Schüler-/innenversammlung
Dienstag, 10.03.2026
- Tampencontest in jeweiliger Wachzeit
- 15:30 Uhr: Vortrag über „Batterien“ von Justus
