Die Reise eines Autoreifens
Datum: 20.03.2026
Ich bin schwarz, rund und jeder kennt mich. Ohne mich könntet ihr kein Auto fahren, denn es hätte keine Reifen. Obwohl ich so wichtig bin, schenkt mir kaum einer Aufmerksamkeit, da ich schon so zu eurem Alltag gehöre. Dabei bin ich eigentlich eine super tolle Erfindung, die sehr schwer kaputt zu bekommen ist. Autos rollen mit mir hunderte Kilometer weit, aber irgendwann sortieren die Fahrer/-innen uns aus, da wir ihnen nicht mehr gut genug sind (zum Beispiel, weil unser Profil abgerieben ist). Viele Autoreifen am Festland landen dann einfach auf einer Müllhalde, aber hier in Horta bekommen wir ein zweites Leben. Wir werden mit Autos, die auf anderen Reifen fahren, zum Hafen gebracht und dort Seeleuten übergeben. Was dann mit uns geschieht, ist echtes Upcycling, denn sowohl zuvor als auch danach sind wir extrem wichtig.
Zuerst werden wir von allen Seiten begutachtet und probeweise aufeinandergelegt. Danach kommt das erste Werkzeug ins Spiel: Mit der Hilfe eines Akkuschraubers mit geeignetem Aufsatz und mehr oder weniger Gewalt werden zwei Löcher gebohrt. Diese haben etwas Abstand zueinander und dasselbe wird auf der anderen Seite wiederholt. Doch aufgrund unseres stabilen Baus mit verschiedenen Schichten und Drahteinflechtungen, ist das nicht einfach. Manch ein Mann, der seit einem halben Jahr auf See ist und früher zuhause bei der Feuerwehr aktiv war und schwierige Fälle gewohnt ist, verzweifelt beinahe daran und das ist noch nicht alles: Denn ist das Loch erst einmal gebohrt, muss das Stück von mir wieder aus dem Aufsatz entfernt werden und auch diese Aufgabe ist nicht zu einfach. Manche Hände von mehr oder weniger erfahrenen Hobbybastlern haben einige Schrammen bekommen, aber schlussendlich waren in mir und meinen Freunden Löcher drinnen.
Als Nächstes kommt eine Kette ins Spiel, wie sie etwa für Zäune oder Absperrungen verwendet wird. Da diese zu lang ist, muss sie erst einmal mit Hilfe eines Bolzenschneiders in kürzere Stücke geschnitten werden. Dies ist eine Aufgabe, die sowohl Feuerwehrmännern als auch Hobbybastlern sehr viel Freude bereitet, da diese Ketten nicht so hammermäßig aufgebaut sind wie wir. Die zugeschnittenen Ketten werden dann durch die zuvor gebohrten Löcher gesteckt, um so zwei Reifen zu verbinden und am Ende mit einem Verschluss verschlossen. Da nicht nur ein Loch in uns gebohrt wurde, sondern vier, wird die Prozedur an zwei Löchern, die direkt nebeneinander liegen, durchgeführt. Auf der anderen Seite wird ein Stück Tauwerk mehrmals durch die Löcher gefädelt, um auch hier das Auseinanderdriften von uns zu verhindern.
Doch um an das Stück Tauwerk zu kommen, muss auch noch etwas geschehen, denn würde man einfach nur das Stück abschneiden, würden sich die Enden auseinander drehen. Um das zu verhindern, wird mit einem Kneifbenzel (etwas dickerer, sehr stabiler Faden) ein Takling am Ende des Zeisers (kurzes Stück Tauwerk) folgendermaßen erstellt: man legt eine Schlaufe an das Ende des Zeisers, wickelt danach das Kneifbenzel mit Spannung auf die Schlaufe und führt am Ende das letzte Stück Kneifbenzel durch die Schleife hindurch. Wenn man jetzt die Schlaufe zuzieht, ist der Zeiser fertig und er kann uns zusammenbinden. Ein weiterer Tampen wird durch die beiden Ketten gefädelt und dient als Aufhängung und so ist er fertig, der Fender.
Zusammengezeisert werden wir zwischen Pier und Schiff heruntergelassen, festgeknotet und verhindern so das Zusammenstoßen der beiden Parteien. Manchmal ist allerdings die Kraft so groß, dass der Zeiser reißt und wir auf dem Grund des Hafenbeckens von Horta die vorletzte Station unseres Daseins vorfinden. Nach und nach trägt sich langsam Gummi in Form von Mikroplastik ab, wir verteilen uns in kleiner Form überall auf der Welt, erobern die Nahrungsketten und sind bald schon bei dir zuhause auf dem Teller.
KUS-Ticker
Donnerstag, 19.03.2026
- 11:00-15:30 Uhr: Start der Workshops
- 15:30-18:30 Uhr: Schülerversammlung
Freitag, 20.03.2026
- 10:30-13:30 Uhr: Stadtralley der Gruppe 1
- 14:00-17:00 Uhr: Stadtralley der Gruppe 2
- 17:30-18:30 Uhr: Vortrag eines Whalewatching-Anbieters über Wale und Delfine
