60 Kilometer
Fünf Tage in der atemberaubenden, grünen, saftigen, azoreanischen Natur auf der Insel „Pico“.
Fünf Tage mit einer Gruppe aus elf Schülerinnen und Schülern, die tendenziell noch nicht allzu viel miteinander zu tun hatten – wir nennen es „Prinzip der größten Fremde“.Fünf Tage, in denen wir Kilometer um Kilometer wanderten.
Und fünf Tage, in denen wir nur aus unseren Rucksäcken lebten.
Doch jetzt zurück zum Anfang unserer Expedition.
1. Kilometer: Gruppenfoto und los geht’s!
Mit unseren mit Zelten, Proviant und eigener Kleidung beladenen Rucksäcken stapften wir den ersten Kilometer gut gelaunt zur Fähre. Die Atmosphäre in der Halle war wie in einem Flughafen. Wir mussten unser Gepäck aufgeben und bekamen als Ticket eine Art Boarding-Pass.
Nach der Überfahrt: Angekommen auf Pico, begannen wir das Wandern. Unser erstes großes Ziel: Unseren Waypoint – Sao Roque – zu erreichen.
14. Kilometer: Unsere erste Nacht!
An der Küste entlang mit Blick aufs tiefblaue Meer, wo die Wellen an den Felsen brachen, wanderten wir gemütlich vor uns hin. Zwischendurch legten wir immer wieder eine Pause ein, um zu trinken, etwas zu essen oder Pläne zu schmieden, wie lange wir noch wandern wollten. Bei Kilometer 14 war für den ersten Tag Schicht im Schacht. Dort verbrachten wir in unseren olivgrünen und weinroten Zelten auf einer steinigen Wiese mit Weinreben und Meerblick die Nacht. Während ein Teil unserer Gruppe die letzten Heringe in den leicht steinigen Boden steckte, köchelte der letzte Topf Reis auf den Trangian (Campingkochern). Im Anschluss genossen wir mit Blick aufs Meer das Chili sin Carne. Bevor alle recht zügig schlafen gingen, verbrachten wir noch gemeinsam etwas Zeit vor den Zelten und betrachteten die Sterne. Am Morgen standen wir gemeinsam auf, frühstückten und räumten unser Lager von der Nacht auf.
24. Kilometer: Der Waypoint „Sao Roque“ ist erreicht – Juhu!
Glücklich über das Erreichen unseres ersten festen Zwischenstopps, schossen wir ein Foto vor der Tankstelle in Sao Roque. Um wenigstens für kurze Zeit die kleine Stadt auf uns wirken zu lassen, verbrachten wir die Mittagspause in einem kleinen, ruhigen Park in der Nähe des Hafens. Dort machten wir neben einem kleinen Mittagsschlaf auf den Steinen in der Sonne auch eine Lagebesprechung bezüglich unseres nächsten Zieles. Wir waren uns einig: Es sollte der Bergsee mit Sicht auf den Pico (höchster Berg Portugals) sein, wo wir die Nacht verbringen wollten. Einziger Haken an der ganzen Aktion: Es war schon 15 Uhr und es lagen zwar nur 8 Kilometer vor uns, allerdings 800 Höhenmeter.
29. Kilometer: Wir sind auf der Ebene!
Fünf Kilometer und knapp 800 Höhenmeter lagen hinter uns, die wir uns die letzten Stunden mit unseren schweren Rucksäcken auf dem Rücken den steilen, moosigen, steinigen und teils rutschigen Hang hinauf kämpften. Vor allem auf diesem Wegstück merkten wir den Zusammenhalt der Gruppe, denn wenn eine Person nicht mehr konnte, wurde ihr Gewicht abgenommen und sie ermutigt. Am Ende waren wir alle oben und geschafft, aber glücklich und konnten die wunderschöne Aussicht aufs Meer hinunter genießen.
32. Kilometer: Mein persönliches Highlight!
Die letzten Höhenmeter und Kilometer waren eine Kleinigkeit. Müde aber völlig zufrieden und stolz kamen wir am Bergsee an. Hinter uns war der Pico im Sonnenuntergang, und vor uns ein völlig naturbelassener See. In der Dämmerung bauten wir gemeinsam die Zelte auf und kochten das Abendessen. Das Baden im Bergsee verschoben wir auf den nächsten Tag, selbst das Abspülen, da alle relativ k.o. waren und sich nichts sehnlicher als ihre Isomatte mit Schlafsack wünschten. Am Morgen schliefen wir bis 9 Uhr aus und schwammen morgens zuerst eine Runde im frischen Bergsee, bevor es Milchreis zum Frühstück gab. Um 12 Uhr wanderten wir weiter.
45. Kilometer: Eine gerade Straße – kaum möglich!
Die nächsten 13 Kilometer waren einfach nur der Nase nach geradeaus, mal ein bisschen Berg auf, mal ein bisschen Berg ab, aber immer geradeaus, bis wir zu einer Höhle kamen. Dort machten wir eine späte Mittagspause, in der wir Wraps aßen, einen gespannten Blick in die Höhle warfen und den Ausblick aufs Meer und die andere Insel warfen.
51. Kilometer: Muh-Duell und eine kleine Schlafplatzdiskussion!
Gestärkt liefen wir über Feldwege, an Kuhwiesen vorbei, hinab Richtung Madalena, zu der Stadt, in der wir mit der Fähre ankamen. Zwischendurch machten wir eine gezwungene Pause, da Franz ein Muh-Duell mit einem Ochsen anfing. Glücklicherweise war der Bulle hinter einer, wenn auch etwas tiefen, Steinmauer und nach einer kleinen Beruhigungspause setzten wir unseren Weg fort. Als wir kurz vor der Stadt an einem Rosengarten ankamen, und dort auch an Wasser zum Kochen und Trinken für die Nacht kamen, beschlossen wir, dort in der näheren Umgebung die Nacht zu verbringen. Die Frage nach welcher Wiese oder welchem Platz führte zu einer kleinen Diskussion, doch auch dafür fanden wir eine Lösung und waren sehr zufrieden. Heute war der erste Abend, an dem wir noch etwas länger nach dem Abendessen im Kreis saßen und miteinander quatschten, bevor wir uns zur Ruhe legten. Das Frühstück am Morgen genossen wir im Rosengarten.
54. Kilometer: Warten auf die etwas andere Fähre!
Gemeinsam rockten wir auch noch die letzten Kilometer bis zum Hafen, wo Pedro uns nach dem Mittagessen abholte. Er bietet in Horta Whalewatching-Touren an und arbeitet mit der Thor schon seit 16 Jahren zusammen. Wir gingen also mit Pedro Wale beobachten. Auf der Tour sahen wir mehrere Blauwale und ganz viele Delfine. Der Anblick, wenn die Delfine aus dem Wasser sprangen und die Blauwale mit ihrer Fluke (Schwanzflosse) aus dem Wasser und wieder ins Wasser tauchten, war atemberaubend schön und ich würde sagen, es war einmalig, dass wir so nah an den Tieren waren. Und schon wieder zeigte ein Blauwal seine Fluke nur ein paar Meter entfernt. Wir sahen so viel, dass wir aus dem Staunen gar nicht mehr rauskamen.
57. Kilometer: Nacht mit Blick auf Horta, den Hafen und die Thor!
Die letzten Tage sind wir kaum gewandert, deshalb beschlossen wir auf den Berg neben dem Hafen zu steigen. Dort hatten wir eine wunderschöne Aussicht auf Horta, den Hafen und die Thor. Wir aßen zu Abend, nachdem Elias, Johannes und ich nochmal nach unten in die Stadt zum Supermarkt gelaufen waren, um die fehlenden Zutaten für das Abendessen zu besorgen. Danach saßen wir in gemütlicher Runde beisammen, Christoph las uns eine Geschichte vor und wir kuschelten uns in unsere Schlafsäcke und lauschten gespannt. Als die Spülgang (Franz, Toke, Mateo und Elias) wieder da war, nachdem sie unten am Hafen abgespült hatten, setzten wir uns zusammen und genossen im Lichtschein von Horta den letzten Abend. Glücklich und zufrieden schliefen wir nebeneinander unter freiem Himmel ein.
60. Kilometer: Am Ziel!
Nachdem wir unseren Platz abgebaut und einen Stopp bei den Duschen eingelegt hatten, kehrten wir mit ganz vielen Eindrücken und Erlebnissen im Gepäck zurück auf die Thor, wo wir die anderen Expigruppen freudig begrüßten, genau wie sie uns.
