Schiffsarbeiten
Die letzten Tage eines Landaufenthaltes sind immer sehr bunt auf der Thor Heyerdahl. Es sind die Tage, an denen man alles vorbereiten muss, damit wir mit unserem Zuhause mehrere Wochen auf See sein können – ohne Supermärkte, Krankenhäuser und die Möglichkeit, Ersatzteile für Reparaturen zu erhalten. Es passiert also sehr viel gleichzeitig, alle wuseln umher und arbeiten irgendwo an irgendwas.
Meine letzten zwei Tage sahen so aus:
Wir kommen nach fünf wunderschönen Tagen auf der Kleingruppenexpi in der Natur zurück auf die Thor. Alle freuen sich, sich wieder zu sehen und erzählen sich aufgeregt von den Erlebnissen der letzten Tage.
Da der Trockner leider kaputt ist und wir nicht waschen können, ziehen wir nach einer schnellen Dusche wieder unsere dreckigen Klamotten an und gehen von der Klingel geleitet aufs Hauptdeck zum Mittagessen. Und ab dann ist nicht mehr an Entspannung zu denken, denn ich bin mit Lotte für den Proviant eingeteilt. Wir gehen vom Hauptdeck, das voll mit Obst und Gemüse steht, welches wir verstauen müssen, in die Messe. Dort bleiben wir ein bisschen geschockt vor den riesigen Bergen an Milch, Nudeln und Mehl stehen, die von den Tischen bis unter die Decke gestapelt sind. Trotzdem sind wir noch motiviert und gut gelaunt und gehen weiter zur Kühllast, unserem großen begehbaren Kühlschrank. Als wir die Tür aufmachen, stehen vor uns zwei riesige Stapel mit roten Kisten, in denen wir Obst und Gemüse aufbewahren, die uns den Weg hinein versperren. So langsam vergeht uns die gute Laune und wir fragen uns, wo wir das ganze Essen verstauen sollen.
Aber dann legen wir los, schieben Kisten hin und her, tragen all das Gemüse vom Hauptdeck nach unten, verladen Salat von kleineren in größere Kisten und spielen Tetris mit Schafskäse und Wurst. Sobald wir damit fertig sind und alles gut gestapelt ist, gehen wir wieder aufs Hauptdeck und stehen vor riesigen Haufen aus Kartoffeln und Zwiebeln. Diese werfen wir uns auf die Schultern und tragen sie in die Trockenlast. Dort gibt es den Kartoffelboden, der wie ein Dachboden funktioniert, auf dem wir unsere Kartoffeln lagern. Ich klettere hoch und nehme die 10kg Säcke von Lotte an und versuche sie irgendwie so zu verstauen, dass sie alle hinpassen. Das ist gar nicht so leicht, da der Kartoffelboden, so wie alles auf unserem Schiff, nicht besonders groß ist. Nach vielen Versuchen haben wir das endlich geschafft und da ein paar andere KUSis währenddessen die Messe leergeräumt haben und alles in die Unterkojen gestaut haben, sind wir fertig mit der ersten Ladung und können zum Abendessen in die Messe gehen. Müde vom ganzen Hin- und Her-Tragen falle ich irgendwann in meine Koje und schlafe sehr tief ein.
Irgendwann kommt jemand an meine Koje und weckt mich: „Paula? Es ist 06:15 Uhr und du hast heute Backschaft. Also musst du jetzt aufstehen und in die Kombüse gehen. Du schaffst das!“
Also stehe ich auf und verlasse meine gemütliche und warme Koje, gehe noch sehr verschlafen den Niedergang hoch und stehe auf einmal im hellen Licht der Kombüse. Dort schneide ich Obstsalat und bereite die Messe für das Frühstück vor. Um 07:30 Uhr trudeln alle Leute in die Messe und ich bediene alle mit Getränken und Müsli. Nach Claras Referat um 08:15 Uhr bin ich kurz in meiner Kammer und wir müssen alles für unseren Umzug vorbereiten. Das ist schon das letzte Mal, dass wir umziehen auf der Thor. Alle sind ein bisschen traurig, aber auch ziemlich froh. Umzüge an den Schiffsarbeitstagen sind nämlich ein riesiges Chaos. Die Kojen sind voll mit allen Sachen und man hat keinen Platz zum Ausziehen aus der alten Koje, aber auch nicht zum Einziehen in die neue.
Die Lost- and Found-Kiste wird immer größer im Verlauf des Tages, da so viel irgendwo liegen bleibt oder verloren geht.Ich ziehe also alles aus meinen Fächern und es entsteht ein riesiges Chaos auf meiner Koje. Als ich verzweifelt überlege, wie ich das jetzt sortiere, damit ich später entspannt umziehen kann, kommt Hannah, eine unserer Proviantmeisterinnen, in meine Kammer. Sie fragt mich, ob ich gerade was zu tun hätte, oder ob ich ihr beim Einkaufen helfen kann. Ich, die gerade eigentlich Backschaft hat und alles vom Frühstück spülen muss und gleichzeitig im Chaos untergeht, sage: „Ja klar, ich hab‘ voll Bock auf Einkaufen!“
Also sitze ich eine halbe Stunde später im Auto und fahre erneut zum Supermarkt in Horta. Wir haben nur wenig Zeit, weshalb wir uns aufteilen und alle mit einem eigenen Wagen losrennen. Für die Thor einzukaufen, ist nicht wie normales Einkaufen. Nach dem Einkauf ist der Supermarkt nämlich quasi leer. Ich gehe zur Brottheke, packe alles an Brot, was ich finden kann, in Tüten und habe am Ende einen riesigen Einkaufswagen voll mit Brot vor mir stehen. Auch das Keksregal räume ich leer, Gemüse und 40 Flaschen Tomatenpassata werden auch noch eingepackt.
Mit fünf vollen Einkaufswägen stehen wir an der Kasse, ziehen alles übers Band, packen alles wieder in die Wägen, packen alles ins Auto, fahren an die Pier zur Thor und laden alles wieder aus. Ein paar KUSis helfen uns die Einkäufe in die Messe zu tragen.
Und als ich wieder vor dem riesigen Berg an Proviant stehe, wird mir klar, dass das ganze Einstauen wieder von vorne beginnt.
KUS-Ticker
Donnerstag, 26.03.2026
- 11:00 Uhr: Ankommen an Bord nach der Kleingruppenexpedition
Freitag, 27.03.2026
- 08:15 Uhr: Referat von Clara M. über „Geschichte der Azoren und des Walfangs“
