Was in Erinnerung bleibt

Datum: 03.04.2026
Mittagsposition: 47°07,6‘N; 014°31,5’E
Etmal: 140 sm
Wetter: Lufttemperatur: 14,0 °C, Wassertemperatur: 13,2 °C, Windrichtung und Stärke: WSW 5-6

Ich sitze auf dem Achterdeck und schließe meine Augen. Vor meinem inneren Auge laufen ganz viele Bilder ab. Bilder von kleinen Momenten, die sich in meinen Kopf eingebrannt haben und ganz allein mir gehören. Bilder, die ich immer abrufen kann, wenn ich eine Pause brauche und die mich daran erinnern, wie schön diese Reise bisher war und immer noch ist. Es ist wie ein Kreis aus Bildern, der in meinem Kopf dreht und weder einen Anfang noch ein Ende hat.

Ich stehe unter der gesetzten Baumfock, es ist dunkel und ich schaue mir das Segel an. Es ist schon so ein schöner Anblick, aber besonders ist es, da ich das Setzen angeleitet habe. Es ist das erste Mal gewesen, dass irgendjemand etwas angeleitet hat, und ich durfte das übernehmen. Wir waren gerade elf Tage unterwegs und ich bin viel seekrank gewesen und trotzdem wurde mir das Vertrauen gegeben und alles hat funktioniert.

Es ist dunkel. Ich stehe an der Reling, bin noch leicht seekrank und es ist kurz nach zwei Uhr in der Nacht. Ich schaue auf das Wasser, das nicht ganz so dunkel ist wie der bedeckte Himmel. Lauter kleine helle Punkte tanzen durch das Wasser und ich schaue staunend auf das Schauspiel.

Das Bild wechselt, es ist immer noch dunkel, aber dieses Mal stehe ich nicht an der Reling, sondern im Rigg. Ich stehe ganz oben auf der Bramrah und lasse meinen Blick über das Wasser gleiten. An Backbord sehe ich die Küste von Portugal, ein paar Leuchttürme und über mir einen wundervollen Sternenhimmel. Es ist ruhig, die Thor schaukelt fröhlich vor sich hin und der Ausblick ist einfach wundervoll.

Zusammen mit Henry sitze ich vorne auf dem Klüverbaum und um uns herum ist nur Wasser. Wir sind irgendwo vor der Küste Afrikas, schaukeln vor uns hin und das Wasser leuchtet in einem blau, wie ich es noch nie gesehen habe.

Bei dem nächsten Moment sitze ich wieder im Rigg, dieses Mal auf der Schonersaling. Wir fahren gerade ein – zu den Cayos Hollandes, einer paradiesischen Inselgruppe – und ich bin allein auf 20 Metern Höhe und genieße die Aussicht.

Ich stehe am Ruder, um mich herum ist ein wunderschöner und vielseitiger Sonnenuntergang. An Backbord ist der Himmel hellblau und hellrosa, an Steuerbord dunkelblau mit den ersten Sternen und achteraus pink angeleuchtete Wolken, rund herum rot und orange und etwas gelb. Aus dem Wasser springen Delfine und durchbrechen so den Spiegel, den das Wasser bildet. Es wird immer dunkler, ein wundervoller Sternenhimmel kommt zum Vorschein sowie ein Meeresleuchten, das so stark ist, wie noch nie auf dieser Reise. Ich gehe vor zum Bug und es kommen Delfine und spielen in der Bugwelle. Es ist überhaupt kein Wind und auch wenn die Delfine im Wasser sind, kann man ihre Konturen im Wasser erkennen. Überall sind blaue Leuchtspritzer, alles leuchtet, glitzert und funkelt und der Anblick ist einfach atemberaubend.

Wir sind irgendwo auf dem Nordatlantik, es schauert immer mal wieder und ich sitze auf der Besansaling. Kurz bevor ich mich auf den Weg nach unten mache, schaue ich auf den Horizont und sehe einen Regenbogen. Nach und nach wird er immer kräftiger und aus dem Bogen wird mehr und mehr ein Kreis. Die Sonne scheint auf die Thor und der Regenbogen ist ein ganzer Kreis.

Doch dieser Kreis löst sich, im Gegensatz zu dem Gedankenkreis in meinem Kopf. Er wird zu einem Bogen mit Anfang und Ende und zeigt mir, dass alles ein Ende hat. Auch KUS ist nun in viel zu wenigen Tagen vorbei, doch immer, wenn es ein Ende gibt, gibt es auch einen Anfang. Man muss durch nicht so perfekte Zeiten gehen, um auch schöne Zeiten zu erleben – eben wie bei einem Regenbogen. Denn wenn man einen Regenbogen sehen will, muss man den Regen in Kauf nehmen.

KUS-Ticker

Donnerstag, 02.04.2026

  • 15:00 Uhr: Schiffsversammlung
  • 16:00-18:00 Uhr: seeklar machen, Segel reffen

Freitag, 03.04.2026

  • 13:15-14:30 Uhr: Projektetreffen