Viel zu tun

Datum: 07.04.2026
Mittagsposition: Falmouth 50°09,6‘N; 005°03,8’E
Wetter: Lufttemperatur: 13,5 °C, Wassertemperatur: 11 °C, Windrichtung und Stärke: SE 3

Es ist fünf Minuten vor fünf Uhr morgens und Wache drei steht bereits in voller Montur auf dem Achterdeck, um die Wache zu übernehmen. Ich bin ziemlich müde und nicht besonders motiviert, aber vor allem friere ich. „Nur elf Grad…“, höre ich gerade von der Person, die den Job bekommen hat, das aktuelle Wetter in das Wetterbuch einzutragen. Elf Grad klingt erst einmal gar nicht so kalt, doch mit dem Wind auf hoher See und dem nicht zu unterschätzenden Faktor, dass sich unsere Körper in den letzten Monaten in der Karibik an 30 Grad und Sonnenschein angepasst haben, sind elf Grad eisig. Dazu ist die anstehende Wache anstatt drei Stunden auch noch vier Stunden lang, da wir am vorherigen Abend eine Stunde früher von Wache vier abgelöst wurden, um den gesamten Film des wöchentlichen Filmabends schauen zu können.

Kurz nach dem Sonnenaufgang werden Alander, Ruth, Lena, Leonie und ich ins Rigg geschickt, um die Bram hafenfein zu packen. Wir brauchen eine ganze Weile, auch da sich das Segelpacken als nicht allzu leicht erweist, wenn die gesamte Zeit Wind von der Seite ins Segel bläst. Die Sonne steigt immer höher, mir wird immer wärmer und ich freue mich schon auf den Osterbrunch, der nach der Wache ansteht. Ganz abgesehen davon ist der Ausblick von über 20 Metern auf den weiten Horizont einfach nur magisch und ich kann die Vögel beobachten, die um die Thor herum und sogar unter uns entlangfliegen. Fertig gepackt, geht die Wache entspannt weiter und ist auch schon beinahe vorüber.

Nach der Wachübergabe gehen wir gemeinsam in die Messe, um zu frühstücken, beziehungsweise zu brunchen. Es gibt, neben dem, was es immer gibt (also Obstsalat, O-Saft und Brot mit allerlei Aufstrichen) auch noch Pfannkuchen, Croissants, Bagel, Rührei, ein normales Ei und sogar Osterzopf. Fertig gegessen, lege ich mich noch einen Moment hin, bevor das Großreinschiff beginnt. Das Schiff muss für das Einlaufen in England schließlich blitzeblank geputzt werden. Um 14:00 Uhr ist Kaffee und Kuchen und um 15:00 Uhr hält Anna ihr Referat über Meeresströmungen und den Einfluss der Ozeane auf das weltweite Klima.

Daraufhin ist Signal K, also „all hands on deck“, da wir das Schiff zum Einlaufen in Falmouth vorbereiten müssen. Wir bergen das Groß und den Schoner und legen mit unseren Vor- und Achterleinen an sogenannten Mooringtonnen an (sehr große Bojen im Wasser, um Schiffe daran zu befestigen).
Pünktlich zum sehr schönen Sonnenuntergang stellen wir die Uhr von 18:00 auf 19:00 Uhr um und ich gehe noch eine Runde Leinenwache.
Um 20:15 Uhr gibt es dann endlich Abendessen in der Messe und im Anschluss findet noch ein Vortrag von Toke über die Geschichte Falmouths statt.
Um 22:00 Uhr ist noch eine Schüler/-innenversammlung, in der wir die anstehende Schiffsübergabe und andere Themen besprechen.

Einem aufmerksamen Leser wird beim Lesen dieses Blogs womöglich einiges aufgefallen sein:
Ganz schön viel Programm für einen einzigen Tag!
Ich denke häufig darüber nach, wie viele große und kleine Dinge hier Tag für Tag passieren und wie viele Erlebnisse ich mittlerweile in meinen eigenen Erinnerungskasten tun konnte. Das viele Erleben kann auch anstrengend sein, da es meistens mit einem sehr vollen Programm verbunden ist. Dennoch bin ich unfassbar dankbar für all die schönen Bilder vor meinem inneren Auge, all die lustigen Momente, die ich finde, wenn ich so in meinem Tagebuch stöbere, für all das, was ich lernen, all die Menschen, die ich kennenlernen und all die tollen Dinge, die ich machen durfte. Mit der immer näherkommenden Ankunft in Kiel werde ich immer nachdenklicher, was diese unglaubliche Reise angeht. Mal war ich glücklich, mal war ich traurig, mal wusste ich nicht so recht, was auf mich zukommen würde oder was ich von einer bestimmten Situation halten sollte. Ich habe gelacht und geweint, habe mit den anderen KUSis getanzt oder mir allein den wunderschönen Sternenhimmel angeschaut.

Und nun neigt sich dieses verrückte Abenteuer dem Ende zu. Noch 18 Tage und dann ist ein weiteres, sehr ereignisreiches Kapitel in meinem Lebensbuch vorbei. Ich muss zugeben, ich denke viel über dieses so besondere, so andere Kapitel nach und ich komme immer wieder zu dem gleichen Schluss: Alles, was passiert ist, so wie es passiert ist, war gut.

KUS-Ticker

Montag, 06.04.2026

  • 09:00-11:00 Uhr: Osterbrunch
  • 15:00 Uhr: Referat von Anna über „Meeresströmungen“
  • 16:15 Uhr: Signal K zum Vorbereiten des Einlaufens
  • 17:30 Uhr: Einlaufen in Falmouth
  • 18:00 Uhr: Zeitumstellung auf 19:00 Uhr
  • 21:00 Uhr: Vortrag von Toke über „Falmouth“

Dienstag, 07.04.2026

  • 11:00 Uhr: Referat von Cornelius über „die Gezeiten“
  • 13:15 Uhr: Geburtstagskaffee für Lukas