Die gefürchtete Seekrankheit
Datum: 16.10.2026
Mittagsposition: 54°24,8’N; 005°22,4’E
Etmal: 91 sm
Wetter: Lufttemperatur: 14 °C, Wassertemperatur: 16 °C, Windrichtung und Stärke: NNW 3-4
„Guten Morgen, es ist 6 Uhr. Die Außentemperatur beträgt 14 °C und es ist sehr windig. Ich würde dir empfehlen, dich warm anzuziehen.“ So beginnt fast jeder Morgen auf unserem neuen Zuhause, der Thor Heyerdahl. Doch heute ist ein besonderer Tag, nämlich Seemannssonntag. Für uns der erste als „echte“ Seemänner bzw. -frauen. Dieser zeichnet sich durch ein sehr leckeres Frühstück aus, denn neben dem Üblichen wie Wurst, Käse und Marmelade gab es heute ein Brötchen für jeden und Nutella, was alle sehr freute.
Am Morgen arbeiteten wir in unseren Wachen nach und nach die uns zugeordneten Aufgaben ab und machten seefest, um gewappnet in die Nordsee zu stechen. Nach den letzten Vorbereitungen hieß es „Auf Wiedersehen Helgoland“ und „Ab in die Nordsee“. Diese begrüßte uns direkt mit einer Wellenfront, welche spektakulär an dem Bug brach und auf das Vordeck schwappte. Durch die Wellen wurde die Thor mit samt der Besatzung in Schaukellage versetzt. Mit diesem Geschaukel kam auch die berüchtigte Seekrankheit bei vielen zum Vorschein. Übelkeit, Schwindel und Erbrechen waren die häufigsten Symptome. Die Backschaft backte zur Aufmunterung einen leckeren Apfelkuchen für alle. Es blieb jedoch viel mehr übrig als sonst, da sich nicht alle im Stande fühlten, diesen zu essen. Die Gesunden unterstützen die Seekranken, indem sie ihnen Zwieback und Salzstangen ans Hauptdeck brachten. Das Schiff musste dennoch weiter gesteuert werden. Dies übernahmen die Arbeitsfähigen der einzelnen Fahrwachen. Neben einigen Segelmanövern mussten auch die Standardaufgaben während der Wachzeiten erledigt werden. Diese regelmäßigen Abläufe wie die Sicherheitsronde und das Bestimmen des Wetters werden immer besser und man kann schon fast sagen, dass es langsam aber sicher zur Routine wird, obwohl wir erst seit 5 Tagen auf der Thor sind. Wir haben aber lange noch nicht ausgelernt und somit kommen immer wieder neue Aufgaben und Abläufe hinzu wie das Waschen der Wäsche oder die erste Maschinenronde.
Der nächste Morgen startete nach dem Frühstück direkt für die Wache 4 mit einigen Manövern, um die Segel dem Windwechsel entsprechend einzustellen. Dabei konnten wir unser theoretisches Wissen auch in der Praxis anwenden. Neben dem Fahrbetrieb der einzelnen Wachen hatten wir viel Freizeit, die sehr unterschiedlich genutzt wurde. Manche spielten in der Messe, manche holten ihren Schlaf der letzten Tage nach und manche saßen bzw. lagen auf den Backskisten und Nagelbänken auf dem Hauptdeck und schauten auf den Horizont, was gegen die Seekrankheit helfen soll. Beim Abendessen füllte sich die Messe erstmals nach mehreren Mahlzeiten mit dezimierter Anzahl wieder, da jetzt viele wieder wie gewohnt unter Deck essen wollten und der Appetit bei den meisten wieder zurückkehrte. Ein Anzeichen dafür, dass die Seekrankheit überwindbar ist und dass, es für die immer noch Seekranken ein Licht am Horizont gibt.
KUS-Ticker
Donnerstag, 15.10.2026
- 09:30 Uhr: Bunkern von Diesel
- 11:00 Uhr: Ankern im Vorhafen von Helgoland
- 15:45 Uhr: Auslaufen von Helgoland
