Logbuch vom 19. Oktober 2026
Die Thor Heyerdahl befindet sich heute, Montag, den 19. Oktober 2026 um 20:00 Uhr Bordzeit (19:00 Uhr UTC) auf der Position 49°24’N und 003°40’W. Bei Wind SE 3 laufen wir gegenwärtig unter Segel bei mitlaufender Hauptmaschine Kurs 218° über Grund und etwa 5 kn. Luft- und Wassertemperatur betragen 14 °C bzw. 16 °C und es ist klar. An Bord sind alle wohlauf. In den letzten beiden Tagen herrschte herbstliches, aber überwiegend freundliches Wetter mit wechselnder Bewölkung, sonnigen Abschnitten und einigen, teils kräftigen Schauern. Aufgrund der wenigen Bewölkung sind die Nächte durchaus kühl und Wintersachen, einschließlich Mützen, Handschuhen und Skiunterwäsche kommen vielerorts zum Einsatz.
Nach dem Auslaufen aus Helgoland am vergangenen Donnerstag (15.10.) ging es zunächst unter kräftigem Maschineneinsatz in Richtung WNW gegen einen frischen SW-Wind voran. Bei den damit verbundenen stärkeren Schiffsbewegungen gab es an Bord einzelne Seekranke.
Im Laufe des Freitagmorgens konnten wir nach einem Winddreher auf NW-liche bis N-liche Winde unseren Kurs nach SSW in Richtung englischer Kanal absetzen. Der Wind an der Ostflanke eines umfangreichen Hochs westlich von Irland frischte schnell auf 5-6 Beaufort auf. In tiefen Raumschots- bzw. Vorwindkursen konnten wir damit in einem Zug bis zur Straße von Dover durchsegeln, wobei die Maschine leicht mitlief, um das Steuern auf den Vorwindkursen zu erleichtern. Dabei erreichten wir sehr gute Durchschnittsgeschwindigkeiten. Die Dover Strait durchsegelten wir in der Nacht von Samstag auf Sonntag mit rekordverdächtigen Geschwindigkeiten. Nach Passieren der Dover Strait konnten wir die Maschine abschalten und in reinem Segelbetrieb bei bestem Wetter und moderateren Schiffsbewegungen in Richtung westlicher Kanalausgang vorankommen. Entsprechend den ruhigeren Schiffsbewegungen ist seit gestern niemand mehr seekrank. Passend zur Thematik hielt Sandra heute ein Referat über Seekrankheit.
Das Leben an Bord steht im Zeichen der Eingewöhnung in den Schiffsalltag mit seinen verschiedenen Bordroutinen – Wachbetrieb, Backschaft, Reinschiff und dergleichen mehr. Der zweite Schwerpunkt liegt in der Segelausbildung, bei der es vieles zu lernen gibt: das Setzen und Bergen sowie die Bedienung der Segel, Knotenkunde, Sicherheitsrunde, Maschinenrunde, Wetterbeobachtung, das Mitschreiben von Position und Segeldaten sowie die Organisation der Segelwache stehen hier im Vordergrund. Gestern wurden zu Trainingszwecken bereits zwei Halsen als „All Hands“-Manöver gefahren – eine Übung, die sich auszahlte, denn bereits in der vergangenen Nacht musste beim Passieren einer leichten Front mit zugehörigem Winddreher eine Halse unter Realbedingungen durchgeführt werden.
Wir erwarten, morgen Mittag in die „Rade de Brest“ einzulaufen, wo wir vor Anker gehen wollen, um von Westen herannahendem Schlechtwetter zu entgehen. Die genaue Verweildauer am Anker auf Reede hängt von der weiteren Wetterentwicklung ab und ist gegenwärtig noch offen.
Bis Brest sind es noch 85 sm und bis Teneriffa noch etwa 1400 sm.
Dr. Johannes Schiller, Kapitän und Dr. Ruth Merk, pädagogische Leiterin
