Unser Seealltag

Datum: 19.10.26
Mittagsposition: 49°41,0‘N; 003°17,8’W
Etmal: 125 sm
Wetter: Lufttemperatur: 13 °C, Wassertemperatur: 16 °C, Windrichtung und Stärke: ESE4

Zurzeit fahren wir entlang der bretonischen Küste.
Der heutige Tag war wie die letzten, ein fast ganz normaler Segeltag. In der Nacht konnte ich mich leider nicht besonders ausruhen, da uns am Vortag gesagt wurde, dass wir höchstwahrscheinlich zu einem Halsenmanöver geweckt werden. Als ich am Morgen noch ein bisschen müde von der Nacht erwachte, merkte ich, dass ich gar nicht zu der Halse geweckt wurde, da das Manöver von den Wachhabenden übernommen worden war. Deshalb ging ich mit meiner Wache ausführlich frühstücken.

In meiner Wachzeit von acht bis elf Uhr hatte ich ziemlich viel zu tun und habe eine Menge gelernt, beispielsweise wie man eine ausführliche Maschinenronde in der Maschine geht. In dieser geht man immer alle 60 Minuten in den Maschinenraum, um zu prüfen, ob die gegebenen Ansprüche erfüllt, Temperaturen und Grenzwerte im Soll sind oder ob sich etwas verändert hat. Außerdem sind viele von meiner Wache ans Ruder gegangen, was ziemlich anspruchsvoll sein kann. Einige Faktoren dafür sind Wellengang, viel Wind oder beschränkte Beleuchtung beziehungsweise Sicht z.B. in der Nacht.

Am Ende haben wir an die Wache 1 abgegeben und, wie so oft, mit einem Seemannsspruch beendet. Es ist ein traditioneller, plattdeutscher Spruch. Die abziehende Wache wünscht im Chor eine ,,Gode Wach“, was von der aufziehenden Wache mit ,,Gode Ruh“ erwidert wird.

Die Zeit zwischen unserer Wache und dem langersehnten Mittagessen habe ich mit einem wohlverdienten Mittagsschlaf ausgefüllt und mein Tag begann wieder, als ich zum Essen geweckt wurde. Die Backschaft hatte uns einen phänomenalen Gnocchi-Mangold-Auflauf zubereitet und somit ging ich wieder gestärkt in den Tag.

Nach dem Mittagessen stand für unsere Gruppe der Nautikunterricht auf dem Plan. Wir lernten etwas über die Kompassrose und wie genau die Himmelsrichtungen heißen, beispielsweise, dass die Himmelsrichtungen zwischen Norden und Nord Nord West, Nord zu West heißt. An einer Kompassrose kann man immer die genaue Himmelsrichtung ablesen, was bei der Thor am Ruder ist. Sie ist nötig, um dem Rudergänger zu zeigen, welchen Kurs er fährt.

Der Wind hatte heute stark nachgelassen und reichte nun nicht mehr aus, um unser Schiff allein anzutreiben, darum fuhren wir mit Unterstützung vom Motor, wenn auch nicht ganz so schnell, in Richtung Brest.

Der Tag endete für uns alle entspannt mit dem Abendessen. Unsere Wachen absolvierten wir, für unsere kurzen Kenntnisse, ziemlich befriedigend. Abends ging ich ins Bett und träumte in der Nacht von gruseligen Piraten und fliegenden Segelschiffen.