Geburtstag mit stürmischen Aussichten

Datum: 21.10.2026
Mittagsposition: 48°13,8‘N; 004°43,9’W
Etmal: 108 sm
Wetter: Lufttemperatur: 14 °C, Wassertemperatur: 15 °C, Windrichtung und Stärke: W4

„Delfine an Backbord!“ Damit startet unsere Nachtwache um zwei Uhr morgens. Und tatsächlich begleitet uns eine kleine Schule Delfine für fast eine Stunde. Um die Nachtwache noch besonderer zu machen, erleben wir auch das erste Mal Meeresleuchten. Beim Frühstück bekommt unsere Wache dafür selbstverständlich den ein oder anderen neidischen Kommentar, doch schon mittags, während Reinschiff tauchte eine weitere Schule mit fast 20 großen Tümmlern auf. Die Reinschiffarbeiten wurden selbstverständlich unterbrochen und alle sammelten sich auf dem Vordeck, um die Delfine zu bestaunen und zu fotografieren.

Bereits in der Nacht schlief der Wind vollständig ein, die Ruhe vor dem Sturm hatte begonnen, sodass wir die meisten Segel bergen mussten und unter Motor in die Bucht vor Brest fuhren. Dort, noch einmal den Ankerplatz gewechselt, waren wir bereit für ein gemeinsames Kaffeetrinken, um unser erstes Geburtstagskind der Reise, Ruth, zu feiern. Dank der vielen Krawatten, die unser Maschinist Patrick in seinen Ölputzlappen gefunden hatte, konnten wir uns sogar angemessen in Schale werfen und für eine kleine Überraschung sorgen. Die Backschaft hatte mit allem, was sie an Bord finden konnte, ihr Bestes gegeben, um eine Donauwelle, Ruths Lieblingskuchen, zu backen. Und auch wenn es nicht ganz eine Donauwelle wurde, zauberten zwei mit flüssiger Schokolade überzogene Stücke Kuchen jedem ein Lächeln aufs Gesicht.

Für unser Geburtstagskind galt es allerdings, nicht all zu viel Zeit zu verlieren, denn es stand noch ein Geburtstagsausfahrt mit unserem Kapitän an. Man könnte die knapp sechs Seemeilen Wellenritt nach Brest, um dort den Hafen erkunden zu gehen, zumindest so nennen, wenn man es als Geschenk verkaufen möchte. Die Rückfahrt mit Wind von vorne und Regen von allen Seiten soll wohl auch eher keine Entspannung für den Rücken gewesen sein. Immerhin gab es allen Grund das Ganze schnell zu beenden, denn ein leckeres Abendessen nach den Wünschen des Geburtstagskindes stand noch bevor. Während Ruth und Johannes sich durch einen französischen Hafen kämpften, um irgendwie einen Liegeplatz für den Sturm klar zu machen, waren auch wir an Bord nicht ganz untätig: Nautische Theorie, Segel sturmfest packen und Kammern aufklaren gehörten zu den ersten Aufgaben der Vorbereitung.

Am nächsten Morgen gab es dann zum ersten Mal Handyzeit. Viele waren froh darüber ihr Smartphone gerade vergessen zu haben, endlich losgekommen zu sein, doch Ruth konnte aus Erfahrung sagen, dass die Eltern am Anfang gerne öfter einmal etwas von uns hören wollen. Also wurde natürlich brav zu Hause, oder um 11 Uhr an einem Mittwochmorgen auch eher in der Arbeit und in der Schule angerufen, oder zumindest eine Nachricht und ein Foto an die Freunde geschickt. Mit den Handys konnten wir uns nun natürlich auf allen möglichen Wetterberichten selbst ein Bild des nahenden Sturms machen. Wie heftig es wirklich würde, war noch ungewiss. Klar war: Ein gigantisches Tiefdruckgebiet steuert über den Atlantik auf Europa zu und wir sollten an der Westspitze Frankreichs das ungebremste Zentrum abbekommen.

Vielleicht deswegen oder weil wir es einfach noch hinter uns bringen mussten, gab es am Nachmittag Sicherheitstraining: Überlebensanzüge, Rettungsinseln, Beiboot aussetzen und Feuer an Bord teilweise in praktischen Übungen, manch anderes in Filmformat. Doch auch ein zwanzig oder dreißig Jahre alter Film kann etwas Belustigung in ein eher fades, aber wichtiges Thema bringen.

Ganz sicher zur Vorbereitung auf den nahenden Sturm war unsere dreistündige Spleißaktion, bei der wir, unter Anleitung von Bootsfrau Isa, Zeiser (kurze Taustücke mit einem Auge) herstellten. Auf die Frage: Wofür wir die Zeiser denn bräuchten, kam vom Segelstamm nur eine Antwort: „Alles sichern, was irgendwie wegfliegen kann!“. Als wir also todmüde um 23:00 Uhr ins Bett fielen, hatten wir schon einen Ausblick für den nächsten Tag. Den letzten vor dem Sturm.

KUS-Ticker

Dienstag, 20.09.2026

  • Ruths Geburtstag

Mittwoch, 21.09.2026

  • 15:00 Uhr: Ankerplatzwechsel