Unser neuer Alltag auf der Thor

Datum: 28.10.2026
Mittagsposition: 43 °51,2‘N; 6 °38,8’E
Etmal: 119 sm
Wetter: Lufttemperatur: 18 °C, Wassertemperatur: 17 °C, Windrichtung und Stärke: NNW3

Obwohl wir erst seit zwei Wochen auf der Thor leben, hat sich schon eine Art Alltag entwickelt.
In diesem Blog nehme ich euch durch einen typischen Tag von Wache 1 an Bord mit. Vorab aber erstmal das Wachsystem bei KUS: Es gibt vier Wachen, welche je sechs Stunden Wache pro Tag haben, davon drei in der Nacht und drei tagsüber. Wache 1 hat also von 11–2 Uhr, Wache 2 von 2-5 Uhr, Wache 3 von 5-8 Uhr und Wache 4 von 8-11 Uhr. In jeder Wache sind ca. 8-9 Schüler, 1 Wachführer und 1-2 Stammpersonen.

Der Tag beginnt normalerweise mit Frühstück. Nacheinander essen die einzelnen Wachen, bis das Frühstück um 10:00 Uhr beendet wird. Anschließend beginnt für uns als Wache die tatsächliche Wachzeit um elf Uhr mit der Wachübergabe. Dabei erklärt die abziehende Wache der aufziehenden Wache, welcher Kurs gefahren wird, welche Segel gesetzt sind und ob es besondere Ereignisse wie z.B. ein Segelmanöver gab. Mit den Worten: ,,Die abziehende Wache wünscht der aufziehenden Wache eine gode Wach. Und die aufziehende Wache wünscht der abziehenden Wache eine gode Ruh.“, starten dann drei Stunden.

Während dieser Zeit gibt es einige Aufgaben, welche durchgehend erledigt werden. Dazu zählen Ruder gehen und Ausguck. Auch die Sicherheits- und Maschinenronde, müssen regelmäßig gegangen werden. Bei der Sicherheitsronde werden z.B die Bilgen überprüft, das sind Hohlräume, an denen man erkennen kann, wenn Wasser ins Schiff kommt. In der Maschinenronde müssen die Federn der Maschine stündlich geölt werden und jede Menge Werte kontrolliert werden. Auch Wetter und Position eintragen ist eine Aufgabe, welche stündlich erledigt wird. Seit ca. einer Woche gibt es für jede Wache eine Wachprinzessin bzw. einen Wachprinzen, also ein Schüler/eine Schülerin, der/die die Wache anleiten darf und die unterschiedlichen Aufgaben verteilt.

Nachdem die Wache vorbei ist, folgt oft direkt Reinschiff. Die zu putzenden Bereiche sind Sanitär, Deck, Messe & Niedergänge und Last & Achterschiff. Natürlich gibt es bei jeder Station beliebtere und unbeliebtere Aufgaben. Bei der Decksstation ist eine begehrte Aufgabe zum Beispiel die Rostnasen mit Scheuermilch zu entfernen, eher unbeliebt ist das Messing zu polieren zum Beispiel am Kompass.

Wenn das Putzen geschafft ist, folgt meist etwas Freizeit. Diese wird oft in der Messe verbracht, wo man dann Spiele wie ,,Stadt Land Vollpfosten“ oder auch Klassiker wie ,,Mensch ärgere dich nicht“ spielen kann. Für ein bisschen mehr Konzentration kann man sich auch in die Bibliothek setzten und z. B. an Blogs wie diesem arbeiten. Bevor es allerdings dazu kommt, passiert oft schon etwas sehr viel Interessanteres – und der Blog bleibt doch liegen.

Aber Freizeit bedeutet nicht gleich Freizeit. Während der Werftzeit in Kiel haben wir alle Beauftragungen für die 1. Etappe bekommen, zum Beispiel Maschine, Proviant, Projektleitungsassistenz, Müll oder Bootsassistenz. Und bei einigen gibt es auch jede Menge zu tun. In der Maschinenbeauftragung wurde zum Beispiel ein Kühlwasserleck vom Generator gesucht und repariert, während die Projektleitungsassistenz den Backschaftsplan erstellte.

Am Mittwoch gab es nachmittags noch Signal K also ,,all hands on deck“, um eine Halse zu fahren. In Wache 1 ist ein Halsenmanöver eher entspannt, weil nur die Vorsegel bedient werden müssen, aber auch bei den anderen Stationen wie Großsegel oder Schonersegel laufen solche Segelmanöver immer besser und man merkt, dass sich langsam eine Routine entwickelt.

Und so schnell kann man gar nicht schauen, plötzlich ist es 17:00 Uhr und es gibt ein Wachtreffen für den Unterricht in nautischer Theorie. Darin lernen wir jede Menge über das Segeln und die Schifffahrt im Allgemeinen. Inzwischen können wir zum Beispiel alle Segel der Thor benennen und erkennen während der Nachtwache verschiedene Schiffe an ihren Lichtern.

Der letzte Programmpunkt des Tages ist das gemeinsame Abendessen, nach dem dann alle glücklich und müde ins Bett fallen könnten. Aber so schnell geht es dann irgendwie doch nie. Besonders am Mittwoch war der Sonnenuntergang ein echtes Highlight. Auch gemeinsames Tagebuch schreiben in der Bibliothek oder Zahnputzpartys sind sehr beliebte Abendbeschäftigungen – die das Schlafengehen dann doch noch etwas hinauszögern.

KUS-Ticker

Mittwoch, 28.10.2026

  • 14:00 Uhr: Schiffsversammlung
  • 15:00 Uhr: Signal K zur Halse