Mein Leben mit und aus dem Rucksack

Datum: 05.01.2026-20.01.2026

65 Liter, 16 Tage, 5 Umzüge und ganz viele nasse Sachen, Matsch und Tierchen. Mit dem Rucksack unterwegs zu sein, klingt für viele vielleicht praktisch, kompakt und einfach, aber nach unserem Panamaaufenthalt können wir ein Lied davon singen, wie es manchmal überhaupt nicht angenehm ist, mit dem Rucksack zu reisen.

Angefangen hat alles mit dem Auszug von der Thor. Ein Tag war eingeplant für das Ausziehen. In zwei Gruppen wurde dann mittschiffs alles aus-, um- und schließlich eingeräumt.
Es wurden verschiedene Strategien verfolgt: Viele haben erstmals davon gehört, das Schwere im Rucksack nach unten zu räumen und dass man einen Rucksack mit System packen kann. So wurde alles in Packwürfel, ZIP-Beutel und Müllsäcke verstaut, dann so lange gepresst, gedrückt und darauf herumgesessen, bis es halbwegs klein war und anschließend gestapelt in den Rucksack gepackt werden konnte. Die letzte Gruppe verzichtete ganz auf Tüten: Nach dem Motto „no risk, no fun“ wurde alles in den Tiefen versenkt und gehofft, dass man es trockenen Fußes über den Fluss und ohne intensive Regenfälle schaffen würde.

Am 05.01. haben wir dann alle unsere vollgepackten Taschen auf unsere Rücken gehievt und uns auf den Weg nach Colón in Richtung Regenwald gemacht. Bei Miguel waren viele noch ganz schön vorsichtig. Die Rucksäcke wurden immer wieder zugemacht, damit keine Spinnen und Dreck ins Innere kommen kann. Spoiler: Anfangs funktionierte diese Taktik hervorragend und wir waren noch voll motiviert, alles zuzulassen und jeden Gegenstand, den wir benutzten, wieder in den richtigen ZIP-Beutel zu packen. Mit der Zeit schmissen wir dann alles im Zeitstress auf unser Bett und schliefen in einem Bett (noch kleiner als die Kojen auf der Thor), gemeinsam mit Kleidung, Büchern, Stiften, Schulzeug, unserer Haarbürste und vielem mehr.
Dazu kam, dass schon am Abreisetag, etwa fünf Stunden nach Verlassen der Thor, bereits die ersten Hosen und T-Shirts bei der Flussüberquerung zu Miguel vollkommen durchnässt waren. Also hingen wir es auf die Leinen und ließen es trocknen. So funktioniert das in der Theorie, aber nicht im tropischen Regenwald. Zwar ist das Aufgehängte sicher unter einer Art Pavillon geschützt, jedoch wurde es bei 100 Prozent Luftfeuchtigkeit nicht trocken. Also gehörte es zur Normalität, morgens in feuchte Socken und nasse Wanderschuhe zu steigen und in wenig trockenen Wandersachen durch den Wald zu wandern.

Es folgte der zweite Umzug, der Rucksack war nicht größer und die Auswahl der einzupackenden Dinge netterweise auch nicht mehr, außer einigen (zu diesem Zeitpunkt noch) kleinen Erinnerungsstücken, die wir gesammelt haben. Die trockenen Sachen wurden also in den ZIP-Beuteln nach unten verstaut und die nassen Sachen nach oben, in der Hoffnung, dass sie auf dem Tagestrip nach Panama-Stadt nicht zu stark zu müffeln anfingen. Dann die frohe Botschaft: Wir konnten sogar waschen. Somit wurde alles sauber und ordentlich verpackt. Doch dann im Hostel: keine Schränke und größtenteils kleine Zimmer. Allein in den drei Tagen vor Ort wurde genug herausgerissen, getragen und geschwitzt, sodass in unserem tragbaren Mini-Schrank ewiges Chaos und schlechte Gerüche herrschten. Nach Panama-Stadt ging es dann aber wieder bergauf. Eine Woche in der Zivilisation half sehr, alles sauber und ordentlich zu bekommen. Auch in Boquete konnten wir oftmals waschen und Ordnung herstellen.

Angekommen bei den Naso: Was wäre unser Panamaaufenthalt ohne Regen? Gerade war alles so schön trocken. Deshalb freuten wir uns sehr über die sehr häufigen Schauer im Dorf Bonyik. Dann wurde es wieder besonders schön…wir hatten Räume ohne Einrichtung mit vielen Krabbeltieren. Hier war es schwer, einen Platz zu finden, an dem die Sachen wenigstens trockener wurden. Der Stapel auf den Rucksäcken wuchs auch erheblich und zwischendurch hat man auf der Suche nach seinen benötigten Dingen Spinnen oder Käfer gefunden.

Zum Zeitpunkt unserer Abreise hatten die meist zu Reisebeginn neu gekauften Rucksäcke schon einen richtigen Abenteuerlook (mit Matsch verziert, mit außen festgeschnallten nassen Shirts und Pullis und alten Wanderschuhen mit nicht erkennbarer Ursprungsfarbe).
Weil die nassen und stinkigen Sachen nicht herausfordernd genug waren, wurde natürlich auch ordentlich eingekauft und Souvenirs gesammelt. So sind Pullover, Hängematten, Bambusbecher und Holzschnitzereien dazugekommen, die das Verschließen zusätzlich erschwerten. Der Vorteil an unseren zutiefst nervenden und mit Aufwand sowie Stress verbundenen Umzügen ist jedoch ganz klar: Gegen Ende konnten wir in einer guten Dreiviertelstunde alles in die Rucksäcke stopfen und haben damit mindestens eine Stunde weniger gebraucht als beim ersten Mal.

Mein Fazit zum ersten Mal Backpacking: immer weniger mitnehmen als man möchte und je kleiner die Packwürfel, desto besser. Ich empfehle allen, die demnächst vorhaben, mit dem Rucksack unterwegs zu sein, Plastikbeutel und Zip-Hosen zu verwenden. Diese sind zwar hässlich, aber praktisch und schnelltrocknend.