Ich in den weiten Tiefen der Maschine
Datum: 03.03.2026
Mittagsposition: 035°50,9‘N; 058°12,7’W
Etmal: 127
Wetter: Lufttemperatur: 14 °C, Wassertemperatur: 17 °C, Windrichtung und Stärke: ENE 6
Heute war der erste Tag meines Praktikums als Maschinist. Dafür bin ich in dieser Woche am Montag, Mittwoch und Freitag mit unserem netten Maschinisten Felix auf unserem Schiff unterwegs und zusammen warten wir all unsere wichtigen Maschinen an Bord.
Als Praktikum verstehen wir hier auf der Thor, dass einige von uns Schüler/-innen je eine Woche entweder den Maschinisten, die Proviantmeister/-innen oder den Bootsmann im Alltag unterstützen. Dabei lernen wir viel über die Aufgaben, die auf unserem Segelschiff andauernd anfallen. Weil ich aber noch jeden zweiten Tag Unterricht habe, wechsle ich mich täglich mit Lenya ab, die diese Woche (so wie ich) ihr Maschinenpraktikum hat.
Ich bin heute also schon um 6:30 Uhr aufgestanden, weil Felix mit meiner tatkräftigen Unterstützung den Generator für die Backschaft starten musste. Zum Starten des Generators gibt es ein gutes Merkwort, bei dem jeder Buchstabe für eine wichtige Aufgabe steht:
W asserzufuhr öffnen
O elstand prüfen
L uftzufuhr prüfen
K raftstoffzufuhr öffnen
A bgasrohr öffnen
E lektrizität anschalten
Im Anschluss haben wir dann den quietschenden Ruderkasten geölt und der nachfolgende Rudergänger freut sich nun darüber.
Wir verbrauchen, weil wir 47 Leute an Bord sind, einiges an Frischwasser. Daher haben wir mittags die Osmoseanlage angemacht, die aus dem nicht genießbaren Salzwasser leckeres Süßwasser für uns gewinnt. Diese haben wir dann gleich sieben Stunden laufen lassen, um unseren Tagesbedarf von ungefähr 1.200 Litern zu decken. Das ist relativ viel, wenn man bedenkt, dass wir es mal geschafft haben, pro Tag nur 300 Liter zu verbrauchen. Dies lag damals aber vor allem daran, dass zu dem Zeitpunkt die Osmoseanlage kaputt war und wir Wasser sparen mussten.
Wie jeden Tag mussten wir noch das Protokoll über den Frischwasser- und Kraftstoffverbrauch sowie die Produktion von Frischwasser führen. Beide Angaben sind wir für die letzten 24 Stunden angeben. Am Ende ist es allerdings aufwendiger als es klingt, da wir durch das ganze Schiff laufen müssen, um alle Tankanzeigen ablesen zu können.
Am Abend schalteten wir schließlich die meisten Maschinen wieder aus, nur Olga (unsere Hauptmaschine) ließen wir laufen. Wir alle wollen ja schließlich rechtzeitig auf den Azoren einlaufen.
Felix meinte zu mir: „Die Thor ist wie eine kleine Stadt. Es gibt den Generator, der in einer normalen Stadt einem Elektrizitätswerk ähnelt und die Osmoseanlage, die einem Wasserwerk gleicht.“ Das empfand ich als einen lustigen Vergleich und zudem habe ich durch das ständige Laufen zwischen Last, wo die Osmoseanlage und die Generatoren stehen, und unserer Hauptmaschine einen neuen Eindruck von der Thor bekommen. So finde ich nun, dass die Thor vorwiegend aus Rumpf und Maschinen besteht und unser Wohnbereich sich nur dazwischen befindet, was ich vorher noch nicht so gesehen habe.
KUS-Ticker
Dienstag, 03.03.2026
- 14:45 Uhr: „Signal K“ zur Wende mit Maschinenunterstützung
