Privatsphäre an Bord
Datum: 01.04.2026
Mittagsposition: 45°08,0‘N; 020°21,3’W
Etmal: 125 sm
Wetter: Lufttemperatur: 15,5 °C, Wassertemperatur: 14 °C, Windrichtung und Stärke: umlaufend
In diesem Blog soll es um ein altbekanntes Thema an Bord gehen: die Privatsphäre! Wir teilen uns Kammern, essen zusammen und verbringen Zeit in Gemeinschaftsräumen wie unserer Bibliothek oder der Messe. Ja, nicht mal die Toiletten hier haben Türen! Aber Moment, Toiletten ohne Türen? Das ginge wirklich etwas zu weit. Aber zum Glück ist das auch an den Haaren herbeigezogen, oder? Am 01.04. hieß es hier nämlich wie auch jetzt in diesem Text: April, April!
Natürlich geht es in diesem Blog nicht um Privatsphäre, sondern um den 1. April. Etwas weniger natürlich war dafür der Anblick unseres Sanitärbereichs am gestrigen Morgen. In zwei unserer vier Toiletten fehlten nämlich die Türen. Nur noch die zurückgebliebenen Angeln im Rahmen ließen vermuten, dass sich hier mal ein hölzerner Sichtschutz befand. Zusätzlich hing in der türlosen Toilette noch ein Zettel, beschriftet mit den Worten: „Wir s……. gemeinsam – auf Privatsphäre“. Mit diesem schelmischen Schild wurde für viele der 1. April eingeläutet. Für manch andere begann er schon sehr viel früher, vor allem für die Nachtwachen, bei denen sich die Weckenden mit fantastischen Geschichten über Böeneinfall, Eis und Schnee und Gurtpflicht geradezu überboten. So tauchte dann tatsächlich das ein oder andere verschlafene Gesicht in voller Sturmmontur auf dem Achterdeck auf, nur um sich wenig später und ganz gewiss das Datum im Kopf habend, aus den vielen Kleidungsschichten zu schälen. Aber auch geheim geweckte Streichtrupps trieben in der Nacht ihr Unwesen. Wie fleißige Bienen arbeiteten sie stillschweigend an verschiedenstem Schabernack. Dabei wurde alles logistisch meisterhaft geplant und an den Augen der Wachgänger/-innen vorbei ausgeführt. Denn wer einen Tag in Panama planen kann, ist scheinbar auch im Stande eine Möbelpackaktion zu ersinnen. So wurden also die Türen des Sanitärbereichs ausgebaut, in Decken und Pullover eingepackt und unfallfrei den Niedergang herunter und auf den Zwischenboden heraufgetragen. All das geschah natürlich seefest und unfallfrei.
Aber auch kleinere, spontanere Streiche sorgten den Tag über für Erheiterung und stellenweise auch genervte Gesichter. Denn wer sein Ölzeug vor der Wache an einem ganz anderen Haken als vermutet, vorfindet oder beim Öffnen des Wasserhahns einen Schwall Wasser ins Gesicht bekommt, ist selbstverständlich erst mal nicht sehr erfreut. Weil aber jeder auch mal die anderen mit einem herzhaften „April, April!“ überraschen konnte, war die Stimmung an Bord dennoch ausgelassen. Das lag aber natürlich auch an der Verköstigung des Tages. Denn auch die oberste kulinarische Abteilung hat sich nicht lumpen lassen und das Essen ganz besonders gestaltet. Wir alle können jetzt bezeugen, dass ein blauer Obstsalat genauso gut schmeckt wie ein normaler, festgeklebte Teller anstatt von Anti-Rutschdecken auch eine Erfahrung sind und die kleine Klingel, mit der wir sonst zum Essen gerufen werden, gar nicht nötig ist, wenn auch Topfdeckel und Kochlöffel zum lauten Herbei-Holen zur Verfügung stehen.
Generell war das ganze Schiff erfüllt mit kleinen Streichen – sogar zu viele, um sie in einem Blog aufzulisten. Die kleinen und großen Löffel wurden versteckt, die Bilder in der Messe mit kleinen Verzierungen versehen, Honig auf Türklinken geschmiert und Klebeband vor Türen angebracht. Damit die Schiffsführung aufgrund dieser ganzen Störungen des Bordalltags nicht allzu genervt reagiert, wurde unser Kapitän Detlef morgens mit einem Frühstück an der Koje überrascht. Da konnte er sich dann quasi nicht mehr über uns ärgern.
Insgesamt ist der Tag also ganz anders als die bisherigen Anfänge des Aprils verlaufen. Mit viel Gewitztheit und immer nach dem Motto: „So lange nichts zu Schaden kommt und niemand darunter zu leiden hat, sind alle Streiche lustig!“
Streiche-Ticker
Mittwoch, 01.04.2026
- Uhr: Alle Löffel verschwinden
- 05:00 Uhr: Türen verschwinden aus dem Sanitärbereich
- 07:30 Uhr: Blauer Obstsalat wird serviert
- 12:00 Ohr: Beim Typhonieren fliegt Konfetti aus dem Typhon
- 15:00 Uhr: Großes Ölzeug-Vertauschen
