Ey-jo, was geht?
Datum: 11.10.2026
Mittagsposition: Kiel
Etmal: 5 sm
Wetter: Lufttemperatur: 7,5 °C, Wassertemperatur: 11 °C, Windrichtung und Stärke: NW2
Unser Leben auf der Thor Heyerdahl begann schon einen Tag vor dem Auslaufen: In Form einer ersten erholsamen Nacht in den frisch eingerichteten Kammern nach einem letzten Tag voller Vorbereitungen.
Es ist schon ein seltsames Gefühl, vor der frisch eingerichteten Koje zu stehen und der neu aufgehängten Lichterkette dabei zuzusehen, wie sie ihr sanftes Licht auf das Bett wirft, das jetzt erst einmal das eigene Zimmer ersetzt.
Nachdem die Thor in der Nacht ihren letzten Schliff erhalten hatte, waren wir am nächsten Morgen pünktlich nach dem Frühstück bereit, um noch einmal an Land zu gehen und uns von unseren Liebsten zu verabschieden.
Dabei gab es sowohl Lachen als auch Weinen gemeinsam mit den letzten Ratschlägen, Umarmungen und vor allem einer Gruppenration Schokolade von den Eltern. Diese halbe Stunde des Abschiednehmens war innerhalb eines gefühlten Augenblicks schon wieder vorbei, und plötzlich rief uns das Typhon an Bord, damit wir die große Show beginnen konnten.
Diese war ein ganzer Abschiedsprozess, bestehend aus einer großen Vorstellungsrunde von Schüler-/innen und Stamm, einem Gruppenfoto, mehreren Beiträgen des Musikprojekts, darunter auch einer gemeinsamen Version von „California dreamin’“, den die gesamte Schülerschaft vortrug, und vielem mehr.
Ruth als pädagogische Leiterin, Ansgar und Justus als Vorstand des AlumniKUS-Vereins, Johannes als neuer Geschäftsführer der gGmbH und die Elternvertretung hielten eine emotionale Rede nach der anderen, wobei die verschiedensten Gedanken und Perspektiven zum Ausdruck kamen.
Für die Ex-KUSis war es eine einzige Flashback-Situation und die Vorfreude auf einen neuen Jahrgang mit neuen Erinnerungen, der jetzt ihr altes Zuhause in Beschlag nimmt. Für die Eltern war es ein schmerzhafter Abschied, ein Gehenlassen, aber vor allem auch ein selbst Zurückbleiben.
Für uns Schüler war es irgendwie alles Mögliche gleichzeitig.
Während die Eltern eine angepasste Version von „My Bonnie is over the ocean“ sangen, kam langsam, aber sicher, die Erkenntnis, dass es jetzt tatsächlich losgeht. Eine Erkenntnis, die gemeinsam mit Ungläubigkeit, Aufregung, Angst, Euphorie, Trauer und vielen, wirklich vielen, weiteren Emotionen unsere Gefühlswelt flutete.
Viel Zeit um emotional zu werden, blieb uns aber nicht mehr, denn der erste Probealarm samt Rettungswesten und Wachaufstellung stand an, dicht gefolgt von unserem ersten Mal Segel setzen auf den verschiedensten Stationen.
Und dann war der entscheidende Augenblick endlich gekommen.
Die Thor Heyerdahl lief aus dem Hafen in Kiel aus, begleitet von Wellenrauschen, Winken, dem Donnern der Maschine und dröhnenden Abschiedsrufen.
Das Letzte, was wir von unserem normalen Alltag hörten, waren die Ex-KUSis, die gemeinsam mit ein paar Eltern die Pier entlangliefen und sangen:
Heeeeeey, ab in den Süden!
Der Sonne hinterher, ey-jo, was geht?
Der Sonne hinterher, ey-jo, was geht?
Heeeeeey, ab in die große, weite Welt!
