12 Windstärken

Datum: 23.10.2026
Mittagsposition: Brest
Etmal: 5 sm
Wetter: Lufttemperatur: 14 °C, Wassertemperatur: 15 °C, Windrichtung und Stärke: NW3

Der Donnerstag beginnt noch relativ entspannt um acht Uhr mit Frühstück. Der Tag wird allerdings lang und mit vielen Aufgaben und Vorbereitungen auf die kommende Nacht gefüllt sein. Weil ein Orkantief von Südwesten heraufzieht, müssen wir die Thor auf elf bis zwölf Windstärken einstellen. Das bedeutet, dass alles seefest verstaut werden muss und nichts mehr an Deck herumliegen darf.
So ist der Vormittag mit jeder Menge Arbeit gefüllt.
Zu Mittag gibt es dann als Geburtstagsessen für Hajo, ein Stammbesatzungsmitglied, eine super leckere Lasagne. Davon natürlich eine vegetarische als auch eine mit Fleisch. Wegen des Sturms können wir den Geburtstag aber leider erst einen Tag später feiern.

Nach dem Mittagessen geht es dann weiter mit den Vorbereitungen und wir wollen den Hafen von Brest anlaufen. Wir planen so anzulegen, dass wir möglichst wenig Angriffsfläche für den Wind bieten und lassen das Rescueboot zu Wasser, um schon Leute zum Leinenannehmen an der Pier abzusetzen.
Die Thor legt an und wird den ganzen Nachmittag und Abend mit jeder Menge Leinen befestigt. Inzwischen wird das Wetter auch schon zunehmend schlechter und nach dem Festmachen sind wir alle durchnässt.
Die Nachtwache wird nicht, wie sonst im Hafen, zu zweit gegangen, sondern mit der gesamten Wache, wobei vier Leute immer an Deck sind und die anderen vier auf „Stand by“ in der Messe Bereitschaftsdienst haben, falls die Leinen doch nicht halten sollten, sich verklemmen oder ähnliches.
Obwohl der Wind immer mehr zunimmt, ist das Wetter eigentlich nicht mehr so schlecht. Es regnet zumindest nicht mehr, auch wenn der Himmel noch mit Wolken verhangen ist.
Zur Wache um elf Uhr erreicht uns das Sturmtief dann aber richtig und Böen bis zu zwölf Windstärken sausen und pfeifen über unsere Köpfe. Obwohl wir uns im Hafen befinden, gibt es auch ordentlich Welle und die Leinen und Fender ächzen und knarzen. Zusätzlich peitscht der Wind über das stahlgraue Wasser und ein Sprühregen weht über die Wellen.
Nach unseren eineinhalb Stunden Wache tauschen wir mit den anderen aus unserer Wache und verziehen uns unter Deck, wo man deutlich weniger von dem Sturm draußen mitbekommt. Die restliche Zeit lesen wir, schreiben Tagebuch oder dösen vor uns hin. Alles in allem ist die Wache trotz des extremen Windes eher ruhig.

Als wir am Freitagmorgen aufwachen, ist das Tosen des Wassers und Heulen des Windes einem leisen Plätschern und absoluter Windstille gewichen. Nichts deutet auf den Sturm der vergangenen Nacht hin, außer vielleicht das zerfetzte Dach eines naheliegenden Zeltes und ein uns zugetriebener Fender. Tatsächlich haben wir, im Gegensatz zu anderen, keinerlei Schäden davongetragen. Die Arbeit des letzten Tages hat sich also gelohnt.
Am Freitagvormittag werden dann zunächst ein paar der Maßnahmen gegen den Sturm rückgängig gemacht, wie zusätzliche Seile zum Sichern der Segel lösen oder die extra Schutzklappen an den Oberlichtern wieder öffnen.
Zu Mittag feiern wir dann auch noch den Geburtstag von gestern nach und es gibt sehr leckere Brownies. Und weil heute sogar wieder jemand Geburtstag hat, gibt es am Abend noch Zimtschnecken. Ein echtes Festessen. Dann gibt es noch selbstgebastelte Geschenke und das Musikprojekt gibt ein Lied zum Besten.
Zum Schluss lassen wir den Tag dann noch echt schön mit dem ersten Filmabend und „Ziemlich beste Freunde“ ausklingen.