Kokosnüsse direkt von der Palme
Datum: 12.12.2025
Mittagsposition: 15°34,7‘N; 061°27,8’E
Als die Türen der beiden Kleinbusse am Donnerstag zuschlagen, liegt ein aufgeregtes Flirren in der Luft. Wir, 34 KUSis, sind mit unseren beiden Begleitern (Hannah und Tobi) auf dem Weg ins Ungewisse. Zum ersten Mal seit fast 2 Monaten werden wir nicht auf einem Schiff, sondern in waschechten Häusern schlafen.
Der Weg zu unseren Gastfamilien, also zu unserem Zuhause für die nächsten vier Tage, ist gesäumt von tropischem Grün, in dem neben Flüssen und bunten Häusern auch idyllische Buchten hervorblitzen und den Blick auf das offene Meer freigeben, auf dem wir hierher gesegelt sind. Für einen Moment überkommt mich fast Heimweh nach der Thor und die Sehnsucht nach der Geborgenheit, welches die Thor für mich schon ausstrahlt. Aber spätestens nach der nächsten Kurve und einem weiteren atemberaubenden Ausblick weicht dieser Gedanke schon wieder der Vorfreude auf das, was mich erwartet. Die Bergstraße führt uns von der karibischen See auf die andere Seite der Insel, also zum Atlantik. Da liegt nämlich Marigot. Hier lebt unser Kontakt Dayton und es ist an diesem, mittlerweile schon angebrochenen Abend, auch die Endstation von mir und einigen weiteren KUSis. Der verbliebene Bus folgt dem Highway noch weiter in ein Dorf der Indigenen oder sogar bis in die dominikanische Hauptstadt „Roseau“. Für mich und die anderen KUSis folgt nach dem Absetzen ein kleiner Spaziergang durch Marigot, bis ich schließlich zusammen mit Alander, Conni, Elias und Leo bei Hazel und ihrer Tochter Kayla lande. Nach einer sehr herzlichen Begrüßung fallen wir ziemlich schnell in unsere Betten und schlafen mindestens genauso schnell auch ein.
Als mich am nächsten Morgen die Sonne an der Nase kitzelt, schaue ich als erstes schlaftrunken aus dem Fenster und… Moment, ein Fenster? Irgendwie ist das fast schon ein ungewohnter Anblick. Die Palmen davor machen die Überraschung am frühen Morgen perfekt. Als alle sich langsam aufgerappelt haben, setzen wir uns nach draußen und verspeisen gemütlich unser Frühstück, welches aus Rührei und gebratener Banane besteht (eine für uns ungewohnte, aber ziemlich leckere Kombination); und das ganz ohne den Bordalltag mit all seinen Pflichten. Später an diesem sonnigen Freitag steht ein Höhepunkt unseres Aufenthaltes an: Zusammen mit dem Nachbar unserer Familie pflücken wir Kokosnüsse und öffnen diese mit einer Machete. Frisch vom Baum schmecken die nochmal ganz anders als jene, die wir sonst aus deutschen Supermärkten kennen. Generell sind die Früchte hier aber auch nicht mit denen zuhause zu vergleichen. Egal, ob kleine Zuckerbananen oder große Wassermelonen, alles ist doppelt so süß und doppelt so saftig. Zum Mittagessen gibt es für uns dann aber doch etwas Warmes; an einem Strand-Imbiss werden wir mit Hühnchen mit Reis und verschiedenem Gemüse und einer Limonade namens „Local Juice“ versorgt. Wir kommen zu dem Schluss, dass der Saft aus Kirsche und Zimt durchaus empfehlenswert, aus Gurke und Ingwer dann aber doch nicht ganz so unserem Geschmack entspricht.
Nach einer ausgiebigen Siesta führt unser Weg in eine kleine Bucht, in der wir neben anderen KUSis auch kleine Einsiedlerkrebse und Pelikane treffen. Als wir gerade auf unseren Handtüchern unter Palmen am Strand liegen, fällt der Satz: „Ein ganz schön entspanntes Leben so ganz ohne Wache und Reinschiff“. Und in meinen Augen ist das eigentlich eine ziemlich akkurate Beschreibung der Situation.
Aber je nachdem, wo man ihn verbracht hat, ist der erste Tag in den Gastfamilien sehr unterschiedlich verlaufen. So haben die Leute, welche im Dorf der Indigenen untergekommen sind, einen sehr aktiven Tag gehabt. Bei Wanderungen durch den Urwald haben sie mehr über die Tier- und Pflanzenwelt der Insel gelernt, sie sind in einem Fluss geschwommen und haben mit ihren Gastfamilien gekocht. Auch die Gruppe, welche am südlichsten (in Roseau) gelandet ist, hat ganz andere Dinge unternommen. Sie sind wieder mit einem der Kleinbusse über die Insel gefahren, und haben sich unter anderem die berühmten Wasserfälle angeschaut.
Ich persönlich habe durch den Aufenthalt viel mehr über die Kultur der Menschen hier gelernt. Fast jeder, den wir getroffen haben, ist uns mit einer Offenheit begegnet, die uns in Deutschland eher unbekannt ist. Das ist auf jeden Fall etwas, was ich hoffentlich mit nach Hause nehmen werde. Aber jeder hat durch seine Gastfamilie das Leben auf der Insel anders kennenlernen dürfen – sei es eben durch einen Wasserfall, den Urwald oder einfach durch eine Unterhaltung mit Einheimischen am Straßenrand.
KUS-Ticker
Donnerstag, 11.12.2025
• 09:30 Uhr: Vorbereitung auf die Feedbackgespräche
• Ab 16:00 Uhr: Aufenthalt in Gastfamilien
