Warschau, KUSis im Packstress!

Datum: 05.01.2026

„In den Kammern müssen die Kojen und Fächer komplett leergeräumt werden und alles, was nicht in die Unterkojen passt, kommt im Wanderrucksack mit nach Panama!“
Mit diesen Worten leitet Corinna morgens beim Frühstück unseren Auszug von Bord ein. Dafür werden wir in zwei Gruppen eingeteilt: Die erste zieht am Vormittag um, die zweite am Nachmittag, während die jeweils andere Schiffsarbeiten leistet. So verbringen einige ihre Zeit damit, Proviantkisten zu putzen, helfen unserem Bootsmann Henry im Rigg oder sind an Land, um einen Bus für ihre Tagesprojektleitung am nächsten Tag zu organisieren.

Beim Packen kann man insgesamt zwischen fünf verschiedenen Typen „Mensch“ unterscheiden:
1. „Was ist nochmal der nächste Punkt auf der Liste?“
Das sind die Personen, die sich streng an die zuvor erhaltenen Packlisten halten. Diese hängen oftmals mit buntem Klebeband an den Kammertüren und werden nicht selten von gleich drei Kammern gemeinsam genutzt. Immerhin ist die Wahrscheinlichkeit eines Listenschwunds auf dem Weg unter Deck auf der Thorziemlich hoch.

2. „Schau mal in der Messe, der zweite Stapel Steuerbord sollte Annas sein!“
Alle, die der Enge der Kammern entfliehen wollen und dafür ihre gesamten Sachen in die Messe oder Bibliothek tragen, um dort zu packen. Das bringt natürlich Vorteile für andere Kusis:

3. „Ah cool, deine Koje ist frei? Ist doch sicher okay, wenn ich mein Zeug da draufschmeiße, oder?“
Dies ist der restliche Teil der Schüler/-innen, der sich beim Packen die halbe Kammer einverleibt und ein totales Chaos veranstaltet. Dabei werden alle Sachen einfach danach sortiert, ob sie in Panama vielleicht irgendwann mal irgendwie nützlich sein könnten oder in der Unterkoje verstaut werden müssen.

4. „Schaut mal, was ich gefunden habe! Das muss ich mir auf jeden Fall erst mal anschauen.“
Diese ein, zwei Personen, die alles machen – außer zu packen – und auf verschiedenste Weisen versuchen, sich davor zu drücken. Egal, ob sie sich mit allen vorbei kommenden Schüler/-innen und Stammis unterhalten oder erst einmal eine Runde trinken, essen und dann in aller Ruhe persönliche Dinge wie Fotoalben noch einmal durchschauen.

5. „Du hast nicht noch zufällig Platz in deiner Unterkoje, den du nicht brauchst?“
Dies sind oftmals diejenigen, die einen sehr großen Seesack mitgenommen haben und nun aus Platzgründen nicht alles in ihren Unterkojen verstauen können und auf andere KUSis hoffen. Dabei stoßen sie normalerweise jedoch auf das Problem, dass kaum jemand zu viel Platz hat und sie daher lange brauchen, bis sie jemanden finden, der ihnen helfen kann.

Bei all den verschiedenen Herangehensweisen ist eines aber immer essenziell: laute Musik. Dabei hat meist jede Kammer ihre eigene Musikbox, sodass man auf dem Weg von der Messe in die Last von einem Musikstil in den nächsten stolpert – Deutschrap, Indie, englischer Pop, Shantys und schiefer Gesang.
Abends werden dann aber doch alle (mehr oder weniger gestresst) irgendwie fertig. Die großen Wanderrucksäcke werden auf die Ladeluke verfrachtet und unsere letzte Nacht auf der Thorfür lange Zeit steht an. Es ist ein ganz seltsames Gefühl, ein letztes Mal in unsere leergeräumten Kojen zu steigen, mit dem Gedanken daran, dass am nächsten Morgen wirklich der langersehnte Panamaaufenthalt beginnt.

Bevor jedoch alle schlafen gehen können, müssen wir gemeinsam noch die tagsüber in Panama eingekauften Lebensmittel verstauen. Dafür wird das Essen aus den Booten ausgeladen, Gemüse und Obst an Deck zunächst gewaschen und dann mithilfe einer Personenkette nach unten in die Messe weitergegeben. Dort wird alles in Kisten einsortiert und in die jeweilige Kammer oder in die Kühl- beziehungsweise Trockenlast geräumt, um am nächsten Tag eingestaut zu werden.
Um 23:30 Uhr werden schließlich auch die letzten KUSis ins Bett geschickt, um am nächsten Tag auf der Reise zu Miguels Camp im Regenwald zumindest einigermaßen fit zu sein.