Trockene Kleidung ist was für Anfänger

Datum: 07.01.2026

Schon vor der Reise erzählten uns die Ex-KUSis begeistert von ihrer Zeit bei Miguel im Regenwald. Bereits seit den 18 Jahren, die KUS bereits existiert, besuchen die KUS-Jahrgänge sein Camp. Nach unserer Ankunft erklärte uns Miguel vor dem Abendessen die wichtigsten Regeln für das Verhalten im Regenwald. Dies tat er auf Spanisch, sodass Lilly oder Mateo für uns übersetzten.

„Nosotros tenemos que adaptarnos a la naturaleza y no la naturaleza a nosotros“ (Wir passen uns der Natur an und nicht die Natur an uns). So forderte uns Miguel auf, auf unsere Umgebung zu achten, indem wir z. B. auf den Wegen bleiben und unter keinen Umständen Müll hinterlassen.

Am nächsten Morgen, gestärkt durch das Frühstück, begannen wir unseren viereinhalbstündigen Ausflug. Ausgestattet in unseren Trekkinghosen, mit Sonnen- und Mückenschutz, Wasser und Kameras gingen wir über einen schmalen Waldweg – um uns herum war nur Grün und uns unbekannte Bäume und Pflanzen. Wir überquerten wie schon bei unserer Ankunft am Vortag immer wieder den Fluss. Dabei gaben wir schnell die Hoffnung auf trockene Kleidung und Wanderschuhe auf. Das war aber nicht so schlimm, weil die Temperatur und die Luftfeuchtigkeit immer hoch war und so die feuchte Kleidung sogar eher eine Abkühlung brachte. Aufgrund der schmalen Wege gingen wir alle hintereinander und befanden uns deshalb in einer sehr langen Menschenschlange. Miguel lief an der Spitze und erzählte uns verschiedene Dinge über den Regenwald und über sein Leben. Dabei ging durch den allbekannten „Flüsterposteffekt“ die ein oder andere Information verloren oder wurde unbewusst verändert. Dazu erlaubte sich die ein oder andere Person einen Spaß und dachte sich lustige Fake News aus. So kam zu einer Info von Miguel ein sehr glaubwürdiges kleines Extra hinzu. Denn er erklärte, dass der Weg, den wir entlangliefen, in der Regenzeit überschwemmt sei. Irgendjemand fügte dann hinzu, dass Schlangen angelockt werden, wenn eine Person ins Wasser uriniert. Am Ende des Landaufenthaltes erfuhren auch die letzten KUSis über den Falschgehalt dieser Infos, was zu vielen Lachern in der Gruppe führte. Für die Weitergabe der richtigen Infos überlegten wir uns ein lustiges Konzept. Wenn es um Warnungen ging, wie z. B. bei Stacheln oder Rutschgefahr, zeigten wir mit Zeige-, Mittel- und Ringfinger ein „W“, das für Warschau stand (Warschau = Wahrnehmen und Schauen).

Wir taten das, um reden zu vermeiden, denn nur so hatten wir die Chance, größere Säugetiere zu sehen. Zwei „W’s“ hingegen bedeuteten “Warschau Wissenschaft“. Damit kündigten wir Wissenswertes von Miguel für die Person hinter uns an. Wir lernten sehr viel, sowohl über unsere Umgebung und deren Geschichte als auch über die Tiere und Pflanzen. So lernten wir, dass man eine Baumart, deren Wurzeln überirdisch wachsen und an den Wurzeln sowie am Stamm Stacheln sind, als natürliche Raspel benutzen kann. Zudem bekamen wir Informationen über die verschiedenen Spuren, die die heimischen Tiere hinterlassen haben. Weiteres Wissen erlangten wir durch die Vorträge von Hannes und Fenja über Blattschneiderameisen und Epiphyten. Beide hielten diese an Orten, wo wir das jeweilige Thema hautnah erleben und sehen konnten. Wir sahen jedoch nicht nur Blattschneiderameisen, sondern unter anderem auch Vögel (z. B. Geier), Termiten, viele andere Ameisen (z. B. Aztekenameisen) und Aztekenwespen. Außerdem entdeckten wir Waschbärspuren. Leider hatten wir kein Glück, größere Säugetiere zu sehen. Miguel erzählte uns lediglich von Affen, Tapiren, Ameisenbären und sogar einem Jaguar. Er erklärte uns, dass dies eine Folge des Klimawandels und der Rodung des Regenwaldes sei. Aufgrund der Erwärmung und der menschlichen Eingriffe ist das Gleichgewicht des Regenwaldes in vielen Bereichen geschädigt. Die Bestände verkleinern sich und die Tiere ziehen sich tiefer in den Regenwald zurück.

Die drei Tage bei Miguel boten uns die Möglichkeit, viele neue Erfahrungen und Eindrücke zu sammeln. Auf dem Rückweg zu dem Bus, der uns nach Panama-Stadt fuhr, reflektierten wir all die vielen Erlebnisse und das neu gesammelte Wissen.