Von rauchenden Köpfen und verknoteten Zungen

Datum: 11.01.2026

Unsere Spanischlern-Experience begann sehr plötzlich. Kaum hatten wir uns aus dem überfüllten Bus geschält – erneut voll bepackt mit Rucksäcken vorne und hinten – standen wir in der Turnhalle von Boquete und sahen zum ersten Mal unsere Gastfamilien für die kommenden sechs Tage. Alle waren also etwas überfordert von der Situation. Und dann kam der Spanisch-Test: Die Nachricht hatte eine etwas schockierende Wirkung, auch wenn wir sofort besänftigt wurden. Er sei nicht benotet und diene nur der Einteilung in die Spanischkurse. Wir waren trotzdem ein wenig aufgeregt. Nach und nach musste jede/ -r ein kurzes Gespräch mit einer der zwei Lehrkräfte der dortigen Sprachschule führen. Je nach Vorkenntnissen konnten wir die Fragen mehr oder weniger gut beantworten. Nachdem der Schock überwunden war, ging es weiter mit der Einteilung in die Gastfamilien.

Am nächsten Morgen war geplant, dass ein Bus jede/-n in der Nähe der jeweiligen Gastfamilie aufgabelt und zur Sprachschule bringt. Da das leider nicht zu hundert Prozent funktionierte, mussten sich ein paar KUSis (unter anderem wir beide) kurzerhand ein Taxi organisieren und kamen etwas zu spät zur ersten Unterrichtsstunde. Die anderen KUSis wurden währenddessen in die unterschiedlichen Räume geführt, in denen der Spanischunterricht stattfinden sollte.

Wir saßen zum ersten Mal seit mehr als drei Monaten in einem richtigen Klassenzimmer: einem Klassenzimmer mit stabilen Stühlen statt der wackligen Thor-Bänke, einer fest installierten Tafel statt derjenigen, die die Unterrichtsbeauftragten jeden Tag aufs Neue am Deckshaus aufhängen müssen, und Lehrer/-innen, die nicht über das ewige Schwappen der Wellen hinweg schreien müssen. Es fühlte sich merkwürdig vertraut und trotzdem ganz schön fremd an. In kleinen Gruppen hieß es vier Tage lang: Vokabeln pauken, Grammatik büffeln und andauernd nur Spanisch verstehen. Schnell hatten wir Anfänger/innen aber schon die ersten Erfolgserlebnisse: das erste richtige Gespräch, der erste Arbeitsauftrag auf Spanisch, bei dem wir nicht zuerst blöd aus der Wäsche schauten und das erste Mal im Chor konjugieren, ohne sich bei der Hälfte zu verhaspeln. Wenn wir trotz allem etwas gar nicht verstanden, wichen unsere Sprachlehrer/-innen auf Englisch aus, sodass sich mehr als einmal in unseren Köpfen riesige Englisch-Spanisch-Deutsch-Verknotungen bildeten und Sätze in einem wilden Mix der drei Sprachen aus uns heraussprudelten. Ansonsten spielten wir „Bingo“ und „Wer bin ich?“, lernten spanische Zungenbrecher und unsere Lehrerin versuchte sich an deutschen Zungenbrechern, was beides in großem allgemeinen Gelächter endete.

Täglich grüßte das Murmeltier und so drückten wir von 08:00 Uhr bis 12:00 Uhr die Schulbänke, bis unsere Köpfe rauchten. Obwohl diese Stunden in der Sprachschule sehr intensiv waren, nahmen wir unglaublich viel aus ihnen mit und sie vergingen meistens wie im Flug. An den Nachmittagen testeten wir unsere neu erworbenen Sprachkenntnisse, und schon bald fiel es uns beinahe leicht, an den Kunsthandwerksständen zu verhandeln oder unseren Gastfamilien von unserem Tag zu erzählen.