Schwipp Schwapp und Schrubben

Datum: 30.01.2026
Mittagsposition: 20°56,7‘N; 083°39,1’W
Etmal: 142 sm
Wetter: Lufttemperatur: 27 °C, Wassertemperatur: 24 °C, Windrichtung und Stärke: NzE5

Schwipp, Schwapp, Schwipp, Schwapp.
Die Thor, mein Zuhause, fährt unter Maschine weiter in Richtung Kuba. Ein Halt auf den Cayman Islands, ein Halt, der so anders war als der, der auf uns zukommen wird. Sicher ist, dass es wieder eine Zeit lauter Abenteuer werden wird. Die Cayman Islands verschwinden hinter dem Horizont und vor uns türmen sich fünf Meter hohe Wellen auf, die uns ganz schön auf Trab halten. Schwipp Schwapp macht es, als Wasser durch die geschlossenen Bulleyes in die Kombüse läuft. Noch mit 50 Tellern in der Hand versuche ich die Bulleyes richtig zu schließen und währenddessen muss ich natürlich noch hundert andere Dinge festhalten, damit sie nicht herunterfallen oder umkippen. Nicht nur die Backschaft hat mit dem Wellengang zu kämpfen, auch die Fahrwache draußen versucht die Tische fest zu zeisern (binden) und wird dabei von den Wellen geduscht. Ich gehe in die Messe; Julia macht im Liegen ihren Unterricht, die Hälfte von uns KUSis liegt oder sitzt auf dem Boden und auf der anderen Seite versuchen andere, mit Mühe zu putzen. Seekrankheit – willkommen zurück. Mit Seekrankheit und einem ungewohnt stillen Schiff fahren wir weiter, der Wind lässt langsam nach und gegen Ende des Tages wird man nicht mehr ganz so stark durch die Gänge geschleudert wie noch heute Morgen.

Glücklicherweise endet meine Backschaft relativ früh und ich kann gleich ins Bett gehen. Wie ein Baby schlafe ich in meiner Koje, während die Fahrwachen fleißig in der Kombüse schrubben, denn auf Kuba gibt es eine Hygieneabnahme, zu der das ganze Schiff sauber sein muss. In der Nacht wird geschrubbt, am Tag wird geschrubbt, die ganze Zeit wird geschrubbt. Nur gut, dass am Morgen eine kleine Pause vom Schrubben ist. Ich erwache aus meinen süßen Träumen, stapfe zum Frühstück und obwohl es nicht Seemannssonntag ist, gibt es ein besonders leckeres Essen (eine riesige Portion Obstsalat, zwei Brötchen pro Person und Omelette). Ich sitze noch am Frühstückstisch, aber dann wird schon Stress gemacht, da der Geographietest ansteht. Der Test wurde auf heute verlegt, weil das gestrige Schreiben wegen Seekrankheit und Wellengang einfach nicht möglich war. Es rauchen die Köpfe, es tickt die Uhr und schwuppdiwupp ist auch der Test vorbei. Eine Pause wäre zu langweilig, deshalb folgt sofort eine Lost-and-Found-Versteigerung.

Noch mit viel Geographiewissen im Gehirn sitzen wir zusammen und eine Unterhose nach der anderen wird versteigert. Ich frage mich gerade noch, wie man so viel verlieren kann, als ein Ruf vom Ausguck erschallt: „Wale an Backbord!“ Völlig beeindruckt von diesen atemberaubenden Tieren des Ozeans stehen wir an der Reling und schauen. Eine Gruppe von sechs Pottwalen taucht immer wieder auf, stößt eine Fontäne aus, zeigt die Schwanzflosse und taucht wieder ab. Schwipp Schwapp macht es, als sie völlig verschreckt von unserem Motor, der jetzt wieder angeht, endgültig abtauchen. Die Wale sind verschwunden, der Motor tuckert wieder vor sich hin und wir sitzen immer noch alle zusammen auf dem Achterdeck. Die Versteigerung wird beendet und Wache 1 übernimmt die Fahrwache (also auch ich). Der Alltag geht weiter, doch auch nicht wirklich lange.

Der Morgen ist vorbei und somit auch die Pause vom Putzen. Schrubben, Schrubben und noch mehr Schrubben. Ich beobachte das Treiben vom Ruder aus. Carlotta, Ingo und Alexander polieren die Ruderstandanzeige, daneben wird das Deck gesaugt und wir hören leise Jazzmusik. So vergehen die Stunden und drei Stunden später stehe ich noch immer am Ruder. Doch dann bimmelt die erlösende Klingel zum Kaffee. Zum Kaiserschmarrn werde ich endlich abgelöst und kann diesen voll und ganz genießen. Eine kurze Pause und schon geht es weiter zum Schrubben. Mit Edelstahlpolitur bewaffnet, sieht man mich jetzt nicht mehr am Ruder stehen, sondern in der Kombüse die Schubladen polieren und putzen. Die Kombüse wird heute richtig auseinandergenommen (so auch jeder andere Teil unseres Schiffes). Lukas in Winterkleidung in der Tiefkühllast, Leonie im Kombüsen-Kühlschrank oder Lenya schleifend am Besanmast. Schon wieder vergehen die Stunden, wir schrubben und schrubben noch immer. Das Abendessen verspätet sich sehr, da die Backschaft einfach viel zu wenig Platz hat, um zu arbeiten und deshalb machen wir in der Wartezeit etwas, was wir schon sehr lange nicht mehr gemacht haben: Schrubben.

Als wir nach dem Abendessen dann noch das letzte Pflichtprogramm (unsere Kammern putzen) beendet hatten, fallen fast alle todmüde ins Bett. Der Alltag geht weiter, die Wachen übernehmen und es geht über in das nächtliche Schrubben. Es wird ruhig, das Licht geht aus, außer in der Kombüse, da wird noch immer geputzt. Dort geht erst am Morgen, kurz bevor die Backschaft in die Kombüse kommt, das Licht aus. Ein erfolgreicher und sehr produktiver Tag geht vorbei. Die Thor blitzt auch im Dunkeln und fährt so weiter in Richtung Kuba, es macht Schwipp, Schwapp, Schwipp, Schwapp.

KUS-Ticker

Donnerstag, 29.01.2026

  • 06:15 Uhr: „Signal K“ zum Auslaufen
  • 06:30 Uhr: Ablegen
  • 15:15-16:45 Uhr: Projektetreffen
  • 17:00 Uhr: Vortrag über „Piraterie“ von Moritz
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Freitag, 30.01.2026

  • 10:15-11:00 Uhr: Geographietest
  • 11:15 Uhr: Schiffsversammlung
  • 11:45 Uhr: Walsichtung
  • 13:45 Uhr: Schiffsversammlung