Mit Schlafsack und Pyjama im Unterricht
Datum: 06.03.2026
Mittagsposition: 36°53,8‘N; 050°52,9’W
Etmal: 138 sm
Wetter: Lufttemperatur: 15 °C, Wassertemperatur: 18 °C, Windrichtung und Stärke: NE3
Wenn man zu Hause ins Klassenzimmer kommen würde, viele der Schüler/-innen mit Schlafsäcken und im Schlafanzug an ihren Tischen sitzen, der Lehrer vorne auf der Bank liegen und am Ende der Stunde auch noch sagen würde: „Legt die Geschichtstest einfach bei mir ins Schlafzimmer“, wäre das wie ein ziemlich schlechter Scherz. An Bord ist das unser Alltag. Wenn man das Bordleben etwas genauer betrachtet, finden sich sehr viele Situationen, die zu Hause nicht denkbar wären.
Aufgrund der Kälte in der Messe nehmen wir aus Bequemlichkeit einfach unsere Schlafsäcke mit in den Unterricht. Wir sehen vieles hier an Bord sehr pragmatisch. Wenn es kalt ist, wird der noch bettwarme Schlafsack mit in den Unterricht genommen. Vor allem, während der Seekrankheitstage, an denen trotzdem Unterricht stattfindet, sieht die Messe eher wie ein Schlafsaal aus. Trotzdem machen alle mit – nur halt im Liegen und in Schlafsäcken. Das gilt auch für unsere seekranken Lehrkräfte. Es sieht sehr lustig aus, wenn nur eine Hand sichtbar ist, die an die Tafel schreibt oder eine Stimme aus dem „off“ dir etwas über Gedichtinterpretation erklärt, weil die dazugehörige Person auf der Messebank liegt.
Auch zum Ende des Unterrichts kommt es immer wieder zu kleinen Stolperern. Unsere Englischlehrerin Hannah wollte sich mit den Worten: „Wir sehen uns. Bis dann…“ verabschieden, ehe ihr auffiel, dass wir uns wahrscheinlich in ungefähr einer Stunde zum Mittagessen wiedersehen und uns zwischendurch sicherlich auch noch mehrmals über den Weg laufen werden.
Actionreicher wird es durch den Ruf: „Delfine an Backbord/Steuerbord!“ Plötzlich sitzt niemand mehr, alle lassen alles stehen und liegen, um schnellstmöglich nach oben zu kommen. Wenn man wieder runterkommt, liegt das ganze Schulzeug verteilt in der Messe. Der Seegang lässt alles durch die Gegend rutschen. Selbst Antirutschdecken helfen nicht dagegen. So wie unser Zeug rutschen aber auch wir Schüler/-innen auf den Bänken hin- und her. Vor allem beim Abschreiben von Hefteinträgen ist das meistens sehr störend.
Beim Stichwort „rutschen“ macht sich noch ein anderes Problem bemerkbar: Wenn durch den Seegang eine Schale oder ein Teller vom Frühstück nebenan herunterfällt und zerbricht, kommt gleich einer mit dem Industriestaubsauger, der so laut ist, dass man am liebsten Ohrenschützer tragen will. Problematisch wird es dann, wenn parallel im Unterricht ein Hörverstehen durchgeführt werden soll.
Obwohl diese Situationen zu Hause nicht denkbar wären, hat man sich seit dem ersten Tag an Bord an sie gewöhnt. Inzwischen wäre es sogar komisch, wenn man nicht auf den Messebänken herumrutschen oder einer im Schlafsack erscheinen würde.
KUS-Ticker
Donnerstag, 05.03.2026
- 13:00 Uhr: Halse
- 15:15 Uhr: Vortrag über „Traditionelle Segelschiffe“ von Simon
Freitag, 06.03.2026
- 13:15 Uhr: Referat über „Rost“ von Alander
