Musto Gusto

„Ich sag Musto, ihr sagt Gusto:
              Musto!“ – „Gusto!“
            „Musto!“ – „Gusto!“
„Musto, Musto, Musto!“ – „Gusto, Gusto, Gusto!“

Mit diesem Schlachtruf startet meine Gruppe „Musto Gusto“ in die Expi (Expedition). Da wir schon auf Faial sind und nicht wie die anderen die Fähre zu erreichen haben, gehen wir das Ganze sehr entspannt an. Schon beim Vorbereiten am Tag zuvor haben wir unseren ersten Waypoint gesteckt: die Duschen. Nachdem wir diesen erreichten und das warme Wasser genossen, laufen wir starke 800m zum Supermarkt. Unsere Rucksäcke sind ja noch nicht schwer genug, weshalb wir uns noch mit Snacks eindecken. Endlich! Es ist 13 Uhr als wir Horta verlassen und den Tag über an der Küste entlanglaufen. Später am Tag werden unsere Wanderfüße langsam müde, als wir uns entscheiden, einen Schlafplatz auf einer der sehr vielen Kuhwiesen zu suchen. Der Plan ist den Bauern einfach zu fragen, ob wir hier schlafen können. Problem ist: Wir können kein Portugiesisch und der Übersetzer scheinbar auch nicht. Als Justus ihm mit dem Übersetzer erzählt, dass wir uns als Heilige verkleiden würden und wir die Energie nicht sähen […], war er sehr verwirrt. Wir schildern ihm dann doch noch unser richtiges Anliegen, doch letztendlich schlafen wir nicht bei ihm. Ein kleines Stück weiter den Berg hinauf treffen wir dann aber einen sehr netten Bauern, bei dem wir unsere Zelte aufschlagen dürfen.

Es ist kurz vor zwölf noch am selben Tag. Eine sehr laute und durchdringende portugiesische Stimme weckt mich. Ich komme nicht aus dem Zelt, weil es mir ein bisschen komisch vorkommt, doch zum Glück höre ich Tobi schon mit ihr reden. Ich schlafe also beruhigt wieder ein. Am nächsten Morgen haben wir ein überraschend großes Frühstück. Die Frau, die ich noch in der Nacht gruselig fand, stellt sich als eine gute Fee heraus. Wir bekommen leckere Brötchen, Cornflakes und Butter geschenkt und um das noch zu toppen, bekommen wir morgens auch noch einen Krug mit frischer, noch warmer Milch. Während unserer Expi müssen wir uns daran gewöhnen, dass die Menschen hier so freundlich und zuvorkommend sind. Manchen von uns fällt es schwer diese Nettigkeiten anzunehmen, da es doch nicht so oft vorkommt, dass man in so wenigen Tagen so viele super nette Leute trifft. Denn schon am gleichen Tag noch, haben Lili Sol, Alander und ich eine tolle Begegnung mit einem älteren Ehepaar, beim Wasser auffüllen.

Doch drei Stunden zuvor: Die Gruppe „Musto Gusto“ erklimmt den Berg zur Caldera hinauf. Am Fuße finden wir auch einen sehr schönen Campingplatz mit Blick aufs Meer. Wir bauen unsere Zelte auf, kochen, essen und…Scheiße! Unser Wasser geht aus! Also losen wir zwei Leute aus, die mit der noch sehr motivierten Lili Sol den ganzen Berg wieder herunterlaufen, um Wasser zu holen. Leider hat es mich und Alander getroffen, doch es stellt sich heraus, dass es ein wunderschöner Ausflug werden sollte. Unten im Tal angekommen, haben wir (wie schon erwähnt) eine super nette Begegnung mit dem etwas älteren Ehepaar. Wir klingeln an der Tür und fragen nach Wasser. Wir dürfen all unsere Flaschen dort auffüllen, unterhalten uns noch super lange und sehr nett und uns wird sogar das gesamte Haus gezeigt. Leider lasse ich meine Mütze dort liegen, doch auch sie scheuen keine Mühen, um sie mir später auf die Thor zu bringen, nachdem sie Kontakt mit dem Thor Heyerdahl-Büro aufnahmen. Ich weiß nicht, was ich sagen soll, aber Menschen können soooo nett sein.

Mit einem wunderschönen Blick auf die Caldeira und genug Wasser im Gepäck wandern wir am nächsten Tag an ihr entlang. Wahrscheinlich wisst ihr nicht alle, was eine Caldeira ist, deshalb erkläre ich es kurz:
Also ein Vulkan bricht aus, er spuckt und spuckt und spuckt, doch irgendwann kommt irgendwie kein neues Magma in die Magmakammer und diese ist leer. Jetzt ist da also eine riesige, leere Kammer unter einem sehr schweren Berg und…badumm…sie stürzt zusammen. Ein Krater namens Caldeira entsteht.
Auf so einer gerade beschriebenen Caldeira laufen wir also entlang und genießen den Sonnenschein und späteren Nebel. Auf der anderen Seite geht es dann über eine Kuhwiese (laut Koomot ein Wanderweg) den Berg herunter. Mit einem Lagerfeuer genießen wir dann, noch immer am Hang der Caldeira, den Abend.

Der letzte ganze Tag bricht an und es steht noch das in der Aufgabenbeschreibung angegebene Interview mit einem Einheimischen an. Die meisten aus der Gruppe sind nicht so motiviert und laufen an einem sehr nett aussehenden Bauern vorbei, den wir dann zum Glück doch noch interviewen. Er erzählt uns davon, dass es sich heute leider nicht mehr rentiert Milch zu produzieren und es rentabler sei, sich in die Fleischproduktion einzugliedern. Ich dachte bis dahin immer, dass die Azoren die Inseln der Milch wären, doch da habe ich mich wohl getäuscht. Wir bekommen auch zwei Bunker aus dem Zweiten Weltkrieg gezeigt, die auf dem Grundstück liegen und später auch als Bar genutzt wurden. Im Gespräch erwähnt er kurz, dass auf ihrem Grundstück schon einige Leute gecampt haben. Als er das sagt, werden wir hellhörig. So frech wie wir sind, fragen wir, ob wir denn nicht auch bei ihnen campen könnten und wir stoßen auf erneute große Gastfreundschaft. Wir dürfen sogar in dem kleinen Ferienhaus der Familie bleiben, den Kühlschrank mit allem darin, sowie das Feuerholz nutzen. Mit einem perfekten Schlafplatz und Stockbrot verbringen wir also einen wunderschönen Abend zusammen am Lagerfeuer. So neigt der Abend sich dem Ende zu, wir legen uns zu Bett, doch draußen wird es einfach nicht ruhig. Es ist mitten in der Nacht, als das Zelt der Mädchen fliegen lernt. Die Heringe werden herausgezogen, das Innenzelt vom Außenzelt getrennt und Lenya, Lilly und Lili Sol blicken dem schönen Sternenhimmel sehr unfreiwillig entgegen. Nach erschwertem Aufbauen des Zeltes durch Alander und Hannes schlafen sie mit nur einem Auge wieder ein, denn schon am Morgen liegt das Zelt wieder flach auf dem Boden. Mehr oder weniger ausgeschlafen machen wir alle zusammen Frühstück, räumen auf, schreiben eine kleine Dankesnachricht, schütten noch etwas Wasser in die Schuhe von Hannes und Alander und machen uns dann auf zu unserem vorletzten Waypoint, den Duschen.

Wir erreichen den Hafen von Horta rechtzeitig, genießen wieder das warme Wasser und beenden dann die Expi mit einer Feedbackrunde an der Pier. Was uns allen aufgefallen ist, ist dass die Menschen hier sehr hilfsbereit und gastfreundlich sind und es sich immer lohnt, Leute anzusprechen. Also habt keine Angst zu fragen, denn etwas Schlimmeres als ein „Nein“ kann nicht kommen.