Logbuch vom 26.10.2026
Die Thor Heyerdahl befindet sich heute, Montag, den 26. Oktober 2026, um 17:00 Uhr Bordzeit (16:00 Uhr UTC) in der Biskaya auf der Position 46°27’N und 002°42’W. Bei Wind SW 4-5 Bft laufen wir gegenwärtig unter Segeln bei mitlaufender Hauptmaschine Kurs 155° über Grund und etwa 5.7 kn. Die Luft- und Wassertemperaturen betragen 17 °C bzw. 15 °C und es ist stark bewölkt. Aus der Schichtbewölkung fällt teilweise etwas Regen.
An Bord sind alle gesund. Aufgrund der nach Auslaufen aus Brest zunächst starken, inzwischen moderaten Schiffsbewegungen ist die Seekrankheit zurück an Bord und macht einigen Mitgliedern der Bordbesatzung zu schaffen. Aufgrund der insgesamt ruhigen Wetterlage sind wir jedoch optimistisch, dass auch die gegenwärtig Seekranken sich bald besser fühlen werden.
Die Tage in Brest waren insgesamt intensiv, vor allem wegen der Wetterlage, die von mehreren durchziehenden Tiefdruckgebieten gekennzeichnet war. Bereits am Ankunftsabend waren am Anker in der „Rade de Brest“ Starkwindböen zu verzeichnen, die eine aufmerksame Ankerwache erforderten. Den Donnerstag (21.10.) verbrachten wir damit, das Schiff sturmfest zu machen. Nach Einlaufen in den Hafen am Donnerstagnachmittag zog in der Nacht zum Freitag ein Orkantief über die Bretagne hinweg. Es brachte, wie wir später mitbekamen, umfangreiche Stromausfälle in der Bretagne mit sich und uns orkanartige Böen bis über 60 kn. Die Besatzung der Thor Heyerdahl verbrachte die Sturmnacht in vollbesetzten Wachen. Aufgrund der hervorragenden Vorbereitung gelang es, völlig ohne Schäden durch den Sturm zu kommen. Die verbleibenden Tage im Hafen (Freitag und Samstag) waren wettermäßig ebenfalls wechselhaft. Neben dem Rückbau aller Sturmmaßnahmen standen Projekttreffen und Landgang auf dem Programm und Kyra hielt ein Referat über Kartographie.
Nach Durchzug eines weiteren Tiefs am Samstag nutzten wir ein sich eröffnendes Wetterfenster, um am Sonntag (25.10.) morgens um 07:30 Uhr LT auszulaufen und uns auf den Weg nach Süden zu machen. Die Fahrt durch den „Chenal du Petit Leac’h“, vorbei an den „Rochers du Toulinguet“ und später entlang der bretonischen Küste durch die „Raz de Sein“ hielt bei dem herrschenden Sonnenwetter mit zugleich frischem NW-Wind und der noch anstehenden Altdünung spektakuläre An- und Ausblicke für uns bereit.
Seitdem sind wir auf unserem Weg in Richtung La Coruna, der uns aufgrund der Wetterbedingungen mit weiteren von SW herannahenden Tiefdruckgebieten diesmal als Rundfahrt durch die Biskaya führt. Wir freuen uns darauf, neue Seegebiete kennenzulernen.
Das (Kennen-)Lernen der Segelbedienung und nautischen Abläufe steht gegenwärtig auch für die Schülerinnen und Schüler auf dem Programm. Die Hauptmaschine läuft zwar immer wieder zur Unterstützung mit, aber wir arbeiten sehr aktiv mit und an den Segeln. Auf diese Weise sind wir auf dem Weg, eine eingespielte Segelschiffbesatzung zu werden.
In La Coruna ist ein kurzer Zwischenstopp für einen Crewwechsel geplant. Bis nach St. Cruz de Tenerife sind es noch ca. 1400 sm.
Johannes Schiller, Kapitän, und Dr. Ruth Merk, pädagogische Leiterin
