Wir übernehmen das Schiff!

7:00 Uhr: „Guten Morgen Hanno. Es ist 7 Uhr, in einer halben Stunde gibt es Frühstück und um 8 Uhr beginnt deine Wache. Bist du wach?“ Die alltäglichen Sätze zum Wecken. Mein Tag beginnt wie immer in Wache 4. Nachdem ich noch halbwegs verschlafen in meine Kleidung geschlüpft bin, genieße ich zusammen mit den anderen Wachmitgliedern das leckere Frühstück.

Es mag vielleicht nach einem Tag wie jeder andere klingen und ja, er beginnt ähnlich, während ich jedoch eine Portion Müsli in mich hinein schaufle, höre ich das Läuten einer Glocke und eine Stimme erinnert mich daran, dass sich der heutige Tag doch sehr wohl von anderen unterscheidet. Langsam besinne ich mich und realisiere, dass sich das Schiff seit gestern Mittag ja gar nicht mehr in den Händen der Stammbesatzung befindet. Auch meine Rolle bei dem Ganzen schleicht sich immer mehr in den Vordergrund meiner Gedanken.

Der Tag der Schiffsübergabe, auf den ich so lange gewartet habe, ist endlich da. Als Schüler übernehmen wir die Positionen des Stamms und somit auch die Verantwortung der jeweiligen Position. Ähnlich wie bei der ersten Übergabe musste man sich hier mit einem Bewerbungsschreiben bewerben. Natürlich gibt es viele Parallelen zur ersten Übergabe, der gesamte generelle Ablauf ist derselbe, nichtsdestotrotz haben wir diesmal auch viele Unterschiede. Der Schwerpunkt liegt ganz klar auf der astronomischen Navigation. Alle GPS-fähigen Geräte wurden entweder eingesammelt oder abgedeckt, sodass unsere Positionsbestimmung von den Steuerleuten ohne Elektronik ausgeführt wird, stattdessen werden z.B. Sterne mithilfe eines Sextanten geschossen etc. Ein weiterer Unterschied ist definitiv die Länge. Statt einen Tag zu segeln, sind wir dieses Mal ganze vier Tage unter Schülerleitung unterwegs. Auch ich habe mich während der Stellenausschreibung für die Position des Wachführers beworben und wurde glücklicherweise angenommen.

8:00 Uhr: Gemeinsam treffen wir uns auf dem Achterdeck, die Wache wird übergeben und Positionen wie Rudergänger, Ausguck etc. eingeteilt. Was für mich dieses Mal aber ganz besonders wirkt, ist der Fakt, dass ich persönlich als Wachführer diese Positionen zuteile. Es gibt zwar ganz viele Ähnlichkeiten zum Wachprinzen (ein Schüler, der während einer normalen Wache diese ebenfalls koordinieren darf) aber trotzdem ist es ein anderes Gefühl, wenn kein Stamm, sondern wir Schüler als Wachführer die Verantwortung tragen. Das ist eine besondere Erfahrung und birgt auch echt viel Spaß, es kann in manchen Situationen aber natürlich auch ein bisschen verunsichernd sein ohne Stamm, der direkt eingreift. Der Stamm nimmt sich hauptsächlich zurück und greift nur im Notfall richtig ein, oft werden auch auf die kleinen Fehler erst im Nachhinein aufmerksam gemacht, wodurch man sich dann natürlich eine Lösung einfallen lassen muss, um diese rückgängig zu machen. Verantwortung zu übernehmen und die Wache zu koordinieren sind die Anforderungen eines Wachführers und machen mir persönlich echt viel Spaß. Während der Wachzeit muss die Wache nicht nur eingeteilt werden, natürlich müssen auch Manöver gefahren werden, die uns auch vor Herausforderungen stellen. Unter einem prüfenden und beobachtenden Blick das Manöver anzuleiten, macht mich persönlich deutlich nervöser und wenige Leute in der Wache zu haben, machen das natürlich auch nicht besser. Trotz solcher, teilweise verunsichernder Situationen oder vielleicht auch gerade deshalb liebe ich die Zusammenarbeit mit meinem Copi, bzw. Wachführerassistenten und Steuermann.

11:00 Uhr: Nach der Wachzeit ist die Arbeit noch nicht getan. Reinschiff Sanitär heißt es! Wir wollen ja, dass unsere geliebte Thor auch schön sauber bleibt. Als Wachführer ist es auch hier meine Aufgabe die Wache zu koordinieren.

Pünktlich zum Mittagessen sind wir fertig mit unserer Station und die Putzsachen sind verstaut.
Nach dem Mittagessen ist für mich Zeit, das Erlebte zu verarbeiten. Viele unterschiedliche Eindrücke prasseln beim Gedanken an die Schiffsübergabe auf mich ein. Da ist zum einen die Bewerbungsphase oder das Hoffen während der Verkündung der Positionen:

Lennart als Kapitän, Melanie und Johannes als Steuerleute, Laura und Emma als Projektleiterinnen, Carla und Linn bilden das Maschinistinnen-Duo, Peer mit Assistentin Magdalena als Bootsmann, Nalu und Marie kümmern sich um den Proviant, als Smutje wurde Moritz auserwählt, ebenfalls in der Kombüse arbeiten Lisa und Sebastian als Konditor/in, als Copis sind dabei Jonas, Anouk, Paula und Mats, Wachführer machen Mika, Bella, Keana und ich und zu guter Letzt zeigt uns Fred was es heißt, ein richtiger Schiffsnarr zu sein. Zum anderen drehen sich meine Gedanken aber auch viel um den Beginn dieser Schiffsübergabe. Nachdem die Fragen verteilt wurden, begannen die Besprechungen. Die nautische Schiffsleitung beriet sich über die optimale Reiseroute, die Projektleitung erstellte erste Pläne und auch wir, die Wachführer und die Copis, klärten untereinander die Verteilung der Wachen ab. Zusammen mit Jonas war ich also dafür eingeteilt Wache 4 zu übernehmen.

Zum Kaffee macht sich wirklich bemerkbar, wie gut es ist, eine Konditorin und einen Konditorassistent an Bord zu haben. Zimtschnecken. So lässt es sich doch leben und solche Leckereien zurzeit jeden Tag.

20:00 Uhr: Ab jetzt heißt es wieder, die üblichen 3 Stunden Wache gehen, Aufgaben verteilen und immer ein Auge beim Schiff haben. Ich merke, wie sich unsere Wache immer besser einspielt und bemerke eine große Bereitschaft, was mich sehr freut. Natürlich spielt auch die Seekrankheit bei den meisten eine Rolle, aber auch die lässt erfreulicherweise von Zeit zu Zeit nach.

23:30 Uhr: Nach einer letzten Wachbesprechung sinke ich erschöpft in meine Koje, schließe meine Augen und lasse die bisherige Schiffsübergabe nochmal Revue passieren. Der Tag eines Wachführers unterscheidet sich vielleicht auf den ersten Blick nicht sonderlich von einem normalen Wachtag, trotzdem macht das Übernehmen der Verantwortung viel aus und die Erfahrungen, die man dabei sammelt, ebenfalls. Ich bin auf jeden Fall gespannt, wie es weiter verlaufen wird und was die Übergabe noch so alles bringen wird.

KUS-Ticker

Montag, 29.03.2021

Mittagsposition: unbekannt

  • 08:30 Großreinschiff und seeklar mit anschließender Schiffsrats-Kontrolle
  • 13:00 Übergabe der Fragen zur 2. Schiffsübergabe
  • 15:30 Präsentation der Fragen, Übergabe des Schiffs an die Schüler
  • 16:30 Steuermann Michael kommt an Bord
  • 17:00 Anker hieven, Segel setzen und Auslaufen

Dienstag, 30.03.2021

Mittagsposition: unbekannt

  • 0:00-23:59 Wachbetrieb
  • 17:50 Vortrag von Leon über Generatoren