Gedanken, Wache und unsere Maschine

Es ist 04.30 Uhr und eine Stimme taucht neben meinem Ohr auf. „Mona…. Mona… Aufstehen… Mona…. Bist du wach?“ – Ich antworte ein verschlafenes „Ja“, auch wenn ich mir da selbst nicht ganz sicher bin, und höre einer meiner neuen Freundinnen zu, wie sie versucht mir weiß zu machen, dass ich in einer halben Stunde Wache habe und aufstehen muss. Nochmal zur Erinnerung. Es ist 04:30 Uhr. Und ich hatte natürlich mal wieder viel zu wenig Schlaf.

Es bleibt jedoch kaum Zeit, um mich darüber aufzuregen und nur wenige Minuten später kämpfe ich im Gang damit, mein Ölzeug möglichst leise anzuziehen. Denn es ist noch vor fünf und alle anderen schlafen selbstverständlich noch. Mit leisen Schritten taste ich mich mit meinen Gummistiefeln, die ich heute das erste Mal seit langem wieder anhabe, den dunklen Flur entlang. Als ich den Niedergang hochkomme bemerke ich die langsam endende sternenklare Nacht und freue mich, die ersten Minuten dieses Tages mit Sternenbildern zu verbringen und langsam wach zu werden.

30 Minuten nach dem ersten Wortwechsel dieses Tages übernehme ich mit meiner etwas dezimierten Wache -es fehlen insgesamt sechs Leute, vier wegen Unterricht, einer wegen Backschaft und einer wegen Praktikum- die Kontrolle über das Schiff. Ich gehe ans Ruder, um noch kurz Zeit für mich zu haben und wach zu werden. Ich beobachte eine Welle nach der anderen, wie sie sich heben und senken und die Thor durch tiefe Wellentäler und über hohe Kämme führen. Bis an den Horizont sehe ich die sich schäumenden Wellen und über dem Horizont beobachte ich den langsam untergehenden Mond und die letzten funkelnden Sterne.

Nach 10 Minuten werden wir alle langsam wacher und ich denke über meine Beauftragung nach und was ich heute noch zu erledigen habe. Bei meiner aktuellen Beauftragung, „Navi“, steht vor allem die Korrektur von Seekarten an. Neue Bojen einzeichnen, den Radius von Signallichtern vergrößern oder neue Zonen markieren. Allgemein gesagt, ist es meine Aufgabe, unseren nautischen Kram auf dem aktuellen Stand zu halten und unsere Steuermänner zu unterstützen, bei anfallenden Aufgaben. Meine Gedanken kreisen weiter und ich denke nach, welche Beauftragung ich auf der nächsten Etappe gerne machen würde. Vielleicht „Dinghi“, also Auf- und Abbau, Instandhaltung der Dinghis… Oder „Expi“ also unsere Expeditions-Materialien zu sortieren, reparieren und putzen. Ich werde nochmal drüber nachdenken und habe zum Glück ja auch noch ein wenig Zeit zum Überlegen.

Nach meinem kleinen Gedankenkarussell ist heimlich, still und leise meine Zeit am Ruder schon vorbei und ich werde in die Hauptmaschine geschickt, um die stündlich anfallende Maschinenronde zu gehen. Schnell ziehe ich meine Jacke aus und schnappe mir die Ohrenschützer, um kurz darauf den Niedergang in die brummende Maschine herunterzugehen – rückwärts natürlich, um während dem starken Wellengang nicht runter zu fallen! Nacheinander trage ich Öltemperaturen, Druck des Seewassers und andere Werte ein und überprüfe verschiedene Thermometer. Als letztes muss ich die verschiedenen Kipphebel und beweglichen Punkte an unserer Maschine ölen und anschließend überflüssiges Öl wieder wegwischen. Mit öligen Händen klettere ich den Niedergang wieder hoch und verlasse den warmen Maschinenraum.

Ich öffne das Schott und streiche mir eine der losen Haarsträhnen, die aus meinem Zopf gefallen sind, aus dem Gesicht. Ein bisschen erschöpft und mit einer gewissen Restmüdigkeit hebe ich den Kopf und blicke zum Horizont. Die Sonne geht gerade auf und lässt den ganzen Himmel rot, lila und gelb leuchten, während auf der anderen Seite des Himmels der Mond nun endgültig verschwindet. Einige Sonnenstrahlen scheinen in mein Gesicht und lassen die Müdigkeit verschwinden und heben für eine kurze Zeit all den Stress, die Gedanken und die Sorgen auf. Ich weiß, das wird ein guter Tag und es werden zwei wundervolle restliche Monate dieser Reise.

KUS-Ticker

Freitag, der 25.02.2022

Mittagsposition: 30°17,3’N; 055°31,9‘W
Etmal: 103,8 sm
Luft-/Wassertemperatur: 23°C; 21,5°C
Luftdruck: 1029 hPa

  • 08:15 Uhr: Unterrichtsbeginn Gruppe B
  • 12:00 Uhr: Mittagessen: Reis mit Linsenpatties und Papaya-Chutney
  • 14:15 Uhr: Referat Rost im Bordalltag
  • 15:30-17:00 Uhr: Workshops
  • 17:00-17:45 Uhr: Schülerversammlung

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