Unser Zuhause bei den Naso-Indigenen
Datum: 17.01.26 – 20.01.26
Mit welchen Erwartungen beginnt ihr gerade, diesen Blog zu lesen? Welches Bild habt ihr vor Augen, wenn ihr an indigene Menschen denkt? Wir können euch sagen: Die Naso-Indigenen leben ganz anders, als ihr es euch vielleicht vorstellt.
Nach der langen Fahrt in dem für Panama typischen Partybus, stolpern wir einer nach dem anderen in die offenen Arme der Nasos, die uns liebevoll mit einer Umarmung empfangen. Die Nasos tragen bunte, traditionelle Kleider und zeigen uns ihre Holzhütten, in denen wir in den nächsten Tagen mit ihnen leben werden. Viele der Hütten sind bunt angestrichen und mit Schnitzereien verziert. Kein Haus sieht aus wie das andere. Die einen sind einstöckig, die anderen zweistöckig und stehen teils auf Stelzen. Die Dächer sind aus Palmenwedeln oder Wellblech. Innen gibt es häufig eine Feuerstelle zum Kochen, die Schlafräume befinden sich meist im ersten Stock und die Einrichtung ist spärlich, aber gemütlich. So fällt es uns nicht schwer, sich hier schnell wohlzufühlen. Neben den Wohnhäusern, die bestmöglich mit der Hauptstraße verbunden sind, gibt es auch ein blaues Gemeinschaftshaus, ein weiteres Haus für Feste und Versammlungen und einen großen, unfassbar matschigen Fußballplatz, der sowohl von den Nasos als auch von uns rege genutzt wird.
Gekocht wird über zwei überdachten, etwas höher gelegten Feuerstellen. Auch gibt es zwei Arbeits- und Ablageflächen. Sowie einen kleinen Hühnerstall. Weitere Hühner laufen frei herum, genauso wie Katzen und viele verschiedene Hunde, unter denen auch etliche Welpen sind.
Die Nasos leben nicht nur mitten im Wald, sondern auch mit dem Wald. Er dient ihnen als Nahrungsquelle und so gibt es Reis, Bananen, Yukkawurzeln und Palmenherz zu essen. Über dem Feuerherd zubereitet und mit Koriander gewürzt, bekommt alles seinen ganz eigenen Geschmack. Ungewohnt ist für uns nicht nur das Essen von/aus traditionellen Tellern/Schalen, sondern auch das Trinken aus Bambusbechern. Zu Trinken gibt es starken Tee, Ananassaft und Kakao. Der Kakao hier ist nicht ansatzweise vergleichbar mit dem Kakao, den wir aus den Supermärkten von zu Hause kennen. Hier wird der Kakao, der aus den Kakaobohnen des Regenwaldes produziert wird, frisch mit heißem Wasser aufgegossen und nicht gesüßt. Zum Frühstück gibt es Brot mit Rührei oder Bohnen und Linsen. Doch auch die Definition von Brot ist für uns nun eine andere. In Öl frittierte oder gebackene, handgroße Teigfladen trifft es vielleicht besser.
Trotz des Lebens im Wald, spürt man auch hier die Einflüsse der modernen Welt. Kühlschrank und Gasherd in der Küche sowie fließendes Wasser für Duschen und Toiletten sind mittlerweile selbstverständlich. Etwas neuer für die Nasos ist hingegen der Zugang zum Mobilfunk über Starlink. Dies macht sich auch in der Handynutzung bemerkbar, die ich ehrlicherweise gar nicht erwartet habe. Zwar funktioniert der Zugang zum Internet nur für ca. zwei Stunden am Tag, jedoch verbringen vor allem die Kinder viel Zeit am Handy für Handyspiele. Die Erwachsenen filmen unseren Aufenthalt fleißig mit und posten die Videos in den sozialen Medien, um eine größere Präsenz in der Gesellschaft zu zeigen und mehr Besucher in ihr Dorf zu locken. Den Nasos sind ein umweltfreundlicher Tourismus und ein respektvoller Umgang mit ihnen, ihrer Kultur und der Natur wichtig.
Ihr Dorf ist nun leichter über eine geteerte Straße zu erreichen. Anders war es früher. Bis vor ein paar Jahren war es nur möglich, mit einem motorisierten Einbaum flussaufwärts zu den Naso-Dörfern zu gelangen. Vor der Anschaffung der 15-PS-Motoren musste man die Einbäume flussaufwärts tragen und konnte (aufgrund der starken Strömung) nur flussabwärts paddeln.
Wir sehen nicht nur, wie die Nasos leben, sondern lernen auch ihre Kultur kennen. Neben Spanisch sprechen einige auch noch ihre eigene Sprache. Es gibt auch traditionelle Lieder auf Naso. An unserem letzten Abend in dem Dorf werden einige von diesen gesungen und wir tanzen gemeinsam dazu. Die Stimmung ist sehr gut und es gibt ein besonders leckeres Getränk aus Mais. Zum Abschied übergeben wir den Gastfamilien unsere Mitbringsel und wir bekommen von ihnen ebenfalls kleine, handgemachte Andenken. Die individuellen Ketten, Armbänder und geschnitzten Schildkröten werden wir genauso mit nach Hause nehmen, wie all die schönen Eindrücke und Erlebnisse dieser Tage.
