Seekranke in Luv

Datum: 25.01.2026
Mittagsposition: 15°00,4’N; 080°44,8’W
Etmal: 127 sm
Wetter: Lufttemperatur: 28 °C, Wassertemperatur: 27,5 °C, Windrichtung und Stärke: EzN4

„Alle Kranken nach Lee, die Gesunden und Seekranken müssen nach Luv!“ Das war die erste Sache, die mir entgegenschallte, als ich vor ein paar Tagen das Achterdeck betrat. Unter normalen Umständen hätte ich diese Aussage stark hinterfragt, jedoch wurde bei genauerem Betrachten der Situation die Sinnhaftigkeit der Trennung klar. Ausnahmsweise war nämlich die Anzahl der anderweitig Kranken höher als die der Seekranken.

Auf Steuerbord, der Luv-Seite, also der dem Wind zugewandten Seite, lag einzig und allein Lili Sol, die nach zwei Tagen auf See schon fast über den Berg war und so das Luv-Risiko eingehen konnte. Normalerweise wäre für die Seekranken die Lee-Seite der Aufenthaltsort Nr.1, denn hier ist gewährleistet, dass sie die Fische und nicht wieder sich selbst füttern.
An Backbord häuften sich dafür die Erreger, einige hatte eine Erkältung heimgesucht, die anderen Halsschmerzen oder wie mich eine Mandelentzündung. Da wir die Viren aber nicht überall verteilen sollten, hielten wir uns an Deck in Lee und unter Deck mit Maske auf.

Nachts schliefen wir nun gesammelt in der Messe, um wenigstens etwas Abstand zu unseren Kammermitbewohnerinnen und -bewohnern zu ermöglichen, denn dies war, wie wir in den letzten Tagen nicht nur einmal gemerkt haben, gar nicht so einfach.
Anfangs versuchte ich sogar noch draußen zu schlafen, aber auf der Backskiste bekam ich die ganze Nacht den Tratsch und Klatsch der Wache mit und es wurden Kommandos durch die Gegend gerufen. Also versuchte ich mein Glück mit einem Umzug in die Hängematte zwischen dem PK (Personalkammer) und Schonermast. Dort bin ich dann alle halbe Stunde von über Deck schwappenden Wassermassen geweckt worden, jedes Mal mit erneuter Panik, weil ich fürchtete, nass zu werden. Schlussendlich gab ich auf und legte mich zu den anderen KUSis in die Messe.

Tagsüber war krank sein auf der Thor verhältnismäßig angenehm, denn man hatte ein teilweise etwas windiges aber sonst angenehmes Außenklima. So konnte man seinen Aufenthaltsort ohne Probleme nach draußen verlegen, einzig und allein die Schattenplätze waren knapp. So bewegte auch ich mich an einem Tag wenigstens ein wenig: von Backskiste zu Backskiste, weiter auf die Messebank, in die Koje und auf das Deckshaus, und dann ging der Kreislauf wieder von vorne los.
Zwischendrin erkundigten sich dann 49 andere Menschen bei jeder Begegnung nach meiner Verfassung und ich fühlte mich zwar sehr umsorgt, vor allem, wenn mir noch jemand einen Tee machen oder sonst etwas für mich tun mochte, jedoch wäre ein Stückchen Ruhe auch in Ordnung gewesen.

In meiner Koje schlief ich nachmittags gemeinsam mit meiner frisch gewaschenen Wäsche der letzten zwei Wochen, denn leider fehlte mir die Energie sie zu falten und wegzuräumen. Die roten Kisten, in denen sie normalerweise mehrere Tage in der Kammermitte gelagert wird, wurden vom Proviant zurück beansprucht, also war der einzige freie Ort meine Koje.
Ganz zu der Freude der Projektassistenten mussten sie jetzt schon zum zweiten Mal auf der Etappe so gut wie alle Pläne überarbeiten, vor allem den Backschaftsplan, da aufgrund der Krankheitsfälle fast täglich Änderungen vorgenommen werden mussten oder neue Ausfälle dazukamen. So haben sie fleißig getauscht und unterbesetzte Wachen und Backschaften überbrückt. Teilweise waren es auch mal nur zwei Leute, die dann alle Niedergänge und die Messe putzen oder das Frühstück von 50 Leuten spülen durften.

Auf der Thor leidet man selten allein, es gibt immer jemanden, der sich um einen kümmern kann und man merkt an solchen Tagen sehr, wie groß der Zusammenhalt und die Hilfsbereitschaft unter uns ist. Das trägt direkt zum schnelleren Gesundwerden bei und inzwischen sind wir alle wieder fit!

KUS-Ticker

Sonntag, 25.01.2026

  • 11:50 Uhr: Schiffsversammlung